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Neue Wege, neues Glück?

Kurzbeschreibung: Die Handlung der folgenden Geschichte setzt zum Ende der 6. Staffel von Game of Thrones ein und stellt eine alternative Fortsetzung ab dem Finale von Staffel 6 dar.

Hinweis: In als Spoiler markierten Inhalten werden explizit sexuelle Aktivitäten beschrieben, weshalb jene Inhalte nicht jugendfrei sind.

Einige Tage nachdem ihre Krönungszeremonie zelebriert wurde, sitzt Cersei am späten Abend an ihrem großen Tisch aus Eichenholz, um bei einem Glas dornischen Weins über die Informationen nachzudenken, die ihr erst vor Kurzem von Qyburn zugetragen worden sind. Dieser wusste dank der Beobachtung seiner Spione zu berichten, dass sich Daenerys Targaryen mit einer gigantischen Flotte und drei ausgewachsenen Drachen unmittelbar vor dem Aufbruch nach Westeros befand. Auch wenn sie dies niemals öffentlich bekennen würde, ist Cersei sich der Tatsache bewusst, dass das Lennister-Heer nicht die geringste Chance gegen die Armee der Drachenkönigin hätte. Gedankenversunken und mit starrem Blick fixiert sie die tänzelnden Schatten, welche das flackernde Kerzenlicht der Kronleuchter an die Wände werfen. "Wenn die weißhaarige Targaryen-Schlampe erst einmal angelandet ist, werden wir sie ohne militärisch wertvolle Allianzen nicht mehr aufhalten können", gesteht Cersei sich widerwillig ein, nimmt einen tieferen Atemzug und umfasst ihr Weinglas mit einem festeren Griff. "Im Morgengrauen werde ich zunächst Jaime über die aktuelle Situation in Kenntnis setzen, anschließend werde ich mich mit Qyburn beraten, dessen Intelligenz sich in der Vergangenheit bereits des Öfteren bewährt hat. Die größtmögliche Chance besteht zweifelsohne darin, zu verhindern, dass das Targaryen-Mädchen mit ihrer Armada das Ufer erreicht."


Unterdessen hat sich Königin Daenerys Targaryen mit ihrem kolossalen Heer und ihren drei Drachen auf den Seeweg nach Westeros begeben. Nur die Zweitgeboren hat sie unter dem Kommando von Daario Naharis in Meeren zurückgelassen, auf dass dort der erst kürzlich gewonnene Frieden erhalten bleibe. Auf dem Deck ihres Königinnenschiffes blickt Daenerys gen Himmel und lässt die sanfte Brise mit ihren weißblonden Haaren spielen. Sie schließt ihre Augen, inhaliert die frische Seeluft und genießt die wohltuende Wärme, mit welcher die Strahlen der abendlichen Sonne ihre blasse Haut streicheln. Erst als Tyrion an ihre Seite tritt, neigt Daenerys ihren Kopf leicht zur Seite und schaut zu ihm hinunter: "Wurden die neuen Kleider bereits fertiggestellt, wie ich es in Auftrag gab?", fragt sie. "Ja, Euer Gnaden", entgegnet Tyrion, "und jedes Kleidungsstück sowie jede Rüstung wurde, wie von Euch gewünscht, mit dem Targaryen-Wappen verziert." Ein zufriedenes Lächeln zeichnet sich auf dem Antlitz der Drachenkönigin ab. "Ihr kennt unsere Feinde besser als jeder andere hier. Was erwartet uns, wenn wir Westeros erreichen?", fragt Daenerys. "Meiner Familie ist seit Langem bekannt, dass Ihr drei Drachen besitzt, Euer Gnaden. Sie wissen also schon lange von der potenziellen Gefahr, die von Euch ausgeht. Daher ist anzunehmen, dass Cersei eigene Spione ausgesandt hat, um Erkundigungen über uns und unsere Vorhaben einzuholen. Ich gehe deshalb davon aus, dass sie auf unsere Ankunft vorbereitet ist." Tyrion hält inne und schaut zu Daenerys empor. "Fahrt fort...", weist die Drachenkönigin ihren Berater an, "was könnte das für uns bedeuten?" "Von der Schlacht in der Schwarzwasserbucht weiß meine Schwester, welch eine machtvolle Waffe das Seefeuer darstellen kann. Es trug maßgeblich dazu bei, dass Königsmund nicht in die Hände von Stannis Baratheon fiel. Ich könnte mir vorstellen, dass sie es erneut einsetzen möchte, um uns so früh wie möglich abzuwehren", antwortet Tyrion mit leichter Sorge in der Stimme. "Und wie gedenkt Ihr, dieser unerfreulichen Eventualität zu begegnen?", möchte Daenerys wissen.

"Es gibt nur eine Möglichkeit", meint Tyrion nachdenklich, "wir müssen in einer Region anlanden, in der Cersei unsere Ankunft nicht vermuten würde..." "Wie wäre es mit Dorne?", erklingt plötzlich die sanfte, aber bestimmte Stimme von Tyene Sand hinter ihnen. "Dorne entzieht sich dem Machtkreis Cerseis, doch Mama hat dort einen großen Einfluss. Sie könnte veranlassen, dass unseren Armeen Unterkunft, Nahrung und Wasser bereitgestellt werden." Daenerys wirft Tyrion einen kritischen Blick zu, ehe sie fragt: "Käme dies in Betracht?" Tyrion mustert Tyene eingehend. "Da wir bisher weder mit den Nordmännern noch mit den Lords des Grünen Tals ein Bündnis bilden konnten, bleiben tatsächlich nicht allzu viele Optionen übrig. In Dorne hingegen haben wir Verbündete, sodass ich geneigt bin, Tyenes Vorschlag zuzustimmen, Euer Gnaden." Überlegend hebt Daenerys ihren Kopf und schaut in die Ferne. Ohne Tyene und Tyrion anzusehen, gibt sie zu bedenken: "Wenn ich mich recht entsinne, ist Dorne von einer Gebirgslandschaft durchzogen, die uns den Weg nach Königsmund nicht gerade erleichtern wird." "Das ist korrekt, Euer Gnaden", antwortet Tyrion, "allerdings haben wir auch Verbündete in der Weite. So könnten wir von Dorne die Weite erreichen, um von dort aus mithilfe der Tyrells nach Königsmund zu gelangen. Cerseis Heer dürfte dort keine unmittelbare Gefahr für uns darstellen." Daenerys nickt zufrieden. Auf einmal strömt ein stärkerer Luftzug in die Segel des Königinnenschiffes, sodass ein donnerndes Geräusch ertönt, welches die Konversation jäh unterbricht.

Während Tyrion und Daenerys  weiterhin an Deck verweilen, zieht sich Tyene wieder ins Innere des Schiffes in ihre Schiffskabine zurück, um dort Überlegungen anzustellen, wie sie Cersei in ihre Gewalt bringen kann, um sie anschließend ihrer Mutter Ellaria zu schenken. "Leider wird es noch eine Weile dauern, bis es dazu kommt", denkt sich Tyene, "vielleicht töte ich vorher den Lennister-Gnom, damit Mama nicht so lange auf eine Freude warten muss... Immerhin gibt es keine unschuldigen Lennister, sagt Mama immer...", erinnert sie sich, während sie mit ihren Dolchen spielt.


Bereits am frühen Morgen hat Cersei nach nur wenigen Stunden Schlaf ihr zweites Weinglas geleert, als es plötzlich an der Tür ihres privaten Gemaches klopft. Sie öffnet die Tür und erblickt Qyburn, der ihr sogleich einen versiegelten Brief überreicht: "Dieser Brief von den Eiseninseln ist heute Morgen eingetroffen, Euer Gnaden", erklärt Qyburn. Ohne eine Miene zu verziehen, nimmt Cersei den Brief entgegen und beginnt, dessen Zeilen zu lesen, wobei sie Qyburn mit einem Handzeichen signalisiert, dass er den Raum betreten darf. "Euron Graufreud schreibt uns...", äußert Cersei, "als neuer Herrscher der Eiseninseln bietet er uns seine militärische Unterstützung in Form einer 1 000 Schiffe umfassenden Armada an." Sie schaut zu Qyburn herüber, ehe sie sagt: "Ich kenne die Eisenmänner aus den Erzählungen meines Bruders, mit dessen Hilfe damals die Graufreud-Rebellion beendet wurde. Die Eisenmänner sind ein stinkendes, träges Pack, vollkommen undiszipliniert und inkompetent in jeder Hinsicht." "Dieses Mal könnten sie sich allerdings als nützlich erweisen, Euer Hoheit", gibt Qyburn in geheimnisvollem Ton zu bedenken, "vor allem in Bezug auf unser spezielles Projekt." Cersei, die im Zimmer auf- und abgegangen ist, wendet sich Qyburn zu und sieht ihn mit direktem Blick an. "Wir haben weitere Fortschritte gemacht und können schon bald mit der Umsetzung des Plans beginnen... und Schiffe könnten dabei sehr hilfreich sein", spricht er. Cersei geht zum Burgfenster und schaut nachdenklich hinaus. "Ich werde Euron Graufreuds Angebot akzeptieren", bestimmt Cersei entschlossen. "Die Eisenmänner sollen uns bei unserem Vorhaben helfen, ohne präziser darüber informiert zu werden. Außerdem wirkt deren exorbitante Flotte möglicherweise abschreckend und einschüchternd auf unsere Feinde. Schreibt Euron Graufreud sofort und setzt ihn von meiner Entscheidung in Kenntnis.", weist Cersei Qyburn an, welcher den Befehl seiner Königin entgegennimmt und sich vorerst verabschiedet.


Kalte Winde ziehen über die nördliche Landschaft und der samtweiche Schnee hüllt die Festung Winterfell in ein weißes Kleid. Es ist noch nicht viel Zeit vergangen, seit die Lords und Ladys des Nordens Jon Schnee lautstark zu ihrem König ausgerufen haben.

Gedankenverloren steht Sansa Stark vor einer Brüstung der Burg und starrt in die verschneite Weite, als sich leisen Schrittes Petyr Baelish nähert und zögerlich das Wort ergreift: "Lady Sansa, ich habe bemerkt, dass Ihr schon seit mehreren Stunden hier draußen verweilt. Ist Euch nicht wohl?" Abwartend beobachtet er Sansas Gesichtszüge. "Wir haben Winterfell, meine Heimat, zurückerobert, Lord Baelish. Weshalb sollte ich mich unwohl fühlen?", entgegnet Sansa, ohne Petyr Baelish anzusehen. "Eure Blicke, die Ihr mir zugeworfen habt, als Euer Halbbruder zum König des Nordens gewählt wurde, sind mir nicht entgangen, Lady Sansa, und daher habe ich gedacht, dass etwas Euren Unmut erregt haben könnte", antwortet Petyr ruhig, während Sansa schweigend in die Ferne sieht. "Ich möchte keineswegs, dass Ihr mich missversteht, Lady Sansa, doch ich hätte Verständnis dafür, wenn Ihr Euch aktuell benachteiligt fühlen solltet, denn Ihr habt vorhin zwar erwähnt, dass 'wir' Winterfell zurückgewonnen hätten, doch Ihr wisst sicherlich genauso gut wie ich, dass Euer Halbbruder die Schlacht um Winterfell verloren hätte, wäret Ihr nicht gewesen... Und deshalb..." Plötzlich dreht Sansa sich zu ihm um und blickt ihm direkt in die Augen. "Sofern Ihr mir etwas Konkretes mitzuteilen habt, Lord Baelish, sprecht es aus", sagt sie in einem festen, kühlen Tonfall.

Petyr Baelish hält eine kurze Weile inne, ehe mit einem leicht verschwörerischen Gesichtsausdruck äußert: "Ihr habt gewiss von Daenerys Targaryen gehört, die sich in Essos eine unsagbar große Armee aufgebaut hat, oder? Als ich so darüber nachdachte, was diese junge Frau in nur wenigen Jahren erreichen konnte, welche Führungskapazität sie entwickeln konnte, stellte sich mir die Frage, ob etwas Derartiges nur im Osten möglich ist oder..." Sansa hebt ihre Hand und bedeutet Petyr, seine Erläuterung zu unterbrechen. "Worauf wollt Ihr hinaus, Lord Baelish? Möchtet Ihr andeuten, dass ich mich gegen meinen Bruder wenden soll, der kürzlich erst von ausnahmslos allen Lords und Ladys des Nordens zu deren König bestimmt worden ist? Ist es das, was Ihr mir schmackhaft machen wollt?" Sansa geht einen Schritt auf Baelish zu, während sie spricht, ohne ihren Blick von ihm abzuwenden. "Ich möchte nur Euer Bestes, Lady Sansa, und deshalb ist mir ein Anliegen, dass Ihr zufrieden und nicht missgestimmt seid. Bitte erlaubt mir, meine Gedanken hierzu auszuführen...", meint Petyr mit ruhevoller Stimme, wobei er sie gutmütig anschaut. Sansa atmet einmal tief ein und gewährt ihm mit einer entsprechenden Geste, fortzufahren.

"Ich erfuhr von Jons Reaktion, als Ramsay unmittelbar vor der Schlacht um Winterfell sein grauenvolles Spiel mit Rickon begann. Indem er sich entschloss, allein auf die gegnerische Seite zuzureiten, riskierte er das Leben seiner Soldaten und Kämpfer. Bitte missversteht mich nicht, denn ich kann sein Handeln zweifelsohne nachvollziehen. Aber Ihr werdet mir gewiss zustimmen, dass sich emotionale Ausbrüche dieser Art in manchen Situationen sehr negativ auswirken können. Ich möchte nicht vorschnell urteilen und Euch keinesfalls zu nahe treten, aber mir wurde zugetragen, dass Ihr von Anfang an gegen Ramsay zu Felde ziehen wolltet, obwohl er Rickon in seiner Gewalt hatte. Ich glaube, Ihr könnt diverse Sachlagen richtig einschätzen und die jeweiligen Prioritäten erkennen, wodurch es Euch möglich wird, rationale und vor allem notwendige Entscheidungen zu fällen, so schwierig und schmerzlich es bisweilen auch sein mag. Das ist eine Fähigkeit, mit welcher Jon offenbar nicht gesegnet ist, und... " "Und deshalb vertretet Ihr die Ansicht, ich sei besser geeignet, den Norden zu regieren und zu führen", unterbricht Sansa ihn. "Ich zog in Erwägung, dass dies der Fall sein könnte, Lady Sansa", stimmt Petyr zu, "und ich müsste nicht der Einzige mit dieser Meinung sein, denn immerhin fungiere ich noch immer als Lordprotektor des Grünen Tales..." Sansa bemerkt, wie diese Worte sie innerlich in zwiespältiger Weise tangieren. "Ich werde mich vorerst absentieren, Lord Baelish", kommentiert sie schließlich, während sie sich an Petyr Baelish vorbei und in Richtung ihres privaten Gemaches bewegt.


Nahezu lautlos gleitet die Flotte der Drachenkönigin in abendlicher Idylle über die ruhige See. Daenerys und Tyrion haben sich indessen in ihre jeweiligen Schiffskabinen zurückgezogen. Während Daenerys sich noch ein entspannendes Fußbad gönnt, welches Missandei für ihre Königin vorbereitet hat, geht der in seinen Gedanken vertiefte Tyrion in seinem Zimmer auf und ab. "Ich brauche eine Ablenkung, die mir den Kopf freiräumt", denkt er schließlich, und möchte sich etwas von dem edlen Weine einschenken, der noch auf seinem Tisch steht. "Fast leer...", stellt er mit Ernüchterung fest. "Ich frage mich, wer sich immer in meine Kabine schleicht, um meinen Wein auszutrinken", sagt Tyrion selbstironisch, wirft den Krug auf den Tisch und verlässt seine Kabine, um sich bei Grauer Wurm, der für die Verwahrung der Vorräte die Verantwortung trägt, einen neuen Wein zu besorgen. Während er sich auf dem Wege befindet, pfeift er den "Regen von Castamaer".

Tyene hat es sich mittlerweile in ihrer Hängematte gemütlich gemacht, als sie plötzlich das charakteristische Pfeifen auf dem Gang vernimmt. Blitzschnell springt sie auf, um zur Tür zu gehen und zu lauschen. Nachdem kein Geräusch mehr zu hören ist, öffnet sie leise ihre Zimmertür und schaut hinaus. Da sie auf dem Flur niemanden ausmachen kann, tritt sie vorsichtig aus ihrer Kabine heraus, um sich zur Schiffskabine von Tyrion zu schleichen. Sie öffnet behutsam die Kabinentür und bemerkt sogleich den leeren Weinkrug sowie den Becher auf dem Tisch. "Das ist es...", schießt es Tyene in den Sinn, woraufhin sie beinahe geräuschlos zurück in ihre Kabine sprintet und dort eine Tasche mit diversen Giften unter ihrem Schrank hervorholt. "Die waren zwar eigentlich für Cersei und ihre Verbündeten gedacht, doch eine kleine Menge werde ich entbehren können", denkt Tyene lächelnd, als sie ihrer Tasche den Langen Abschied entnimmt. Sie schiebt die Tasche mit den Giften wieder ins Versteck und sucht erneut Tyrions Kabine auf.

"Ich glaube, ich nehme gleich einen großen Krug mit. Begleite mich doch in meine Kabine, dann können wir den Abend gemeinsam in Heiterkeit ausklingen lassen. Das dürfte doch eine neue Erfahrung für Dich werden, denn ich kann nicht behaupten, dass ich Dich bisher auch nur einmal heiter gesehen habe", wendet sich Tyrion an Grauer Wurm. "Ich kann nicht", antwortet dieser, "ich halte heute Nacht Wache." "Und was ist mit Dir", spricht Tyrion den Unbefleckten an, der sich gemeinsam mit ihm und Grauer Wurm in der Vorratskammer aufhält. "Er hat nun Freizeit, ich löse ihn gerade ab", gibt Grauer Wurm anstelle des Angesprochenen zur Antwort. "Wie heißt Du?", fragt Tyrion ihn. "Mein Name ist Rote Ameise", erwidert er knapp. "Komm schon", meint Tyrion und hält den Weinkrug hoch. "Wir begeben uns in meine Kabine und kosten diesen erlesenen Tropfen! Vielleicht wirst Du sogar der erste Unbefleckte sein, der das Lachen erlernt." Nachdem Rote Ameise und Grauer Wurm kurze Blicke ausgetauscht haben, schließt sich Rote Ameise an und folgt Tyrion auf sein Zimmer.

"Setz Dich", sagt Tyrion und deutet auf den freien Stuhl, während er zum Schrank geht und einen Weinbecher sucht. "Verdammt... Da ich hier meistens allein trinke, habe ich tatsächlich keinen zweiten Becher. Angesichts der späten Stunde möchte ich auch niemand mehr um ein Trinkgefäß bitten. Wie dem auch sei..." Mit diesen Worten geht er zum Tisch und schüttet Roter Ameise den Wein in den Becher, während er selbst anstoßend den Krug in die Höhe hält: "Auf unsere Reise und den gemeinsamen Sieg... und auf einen Abend im Rausch", äußerte Tyrion, während auch Rote Ameise seinen Becher hebt und zu trinken beginnt. Nach einer ganzen Weile des Betrinkens bemerkt Tyrion auf einmal, dass Rote Ameise etwas apathisch geworden ist und leicht schwankt. "Die Unbefleckten... auf dem Schlachtfeld sind sie starke, furchtlose Krieger, doch etwas Wein zwingt sie in die Knie...", scherzt Tyrion. Als jedwede Reaktion ausbleibt, nähert sich Tyrion Roter Ameise und er erkennt, dass Blutstropfen aus der Nase von Roter Ameise rinnen. "Mir ist schwindelig", stöhnt Rote Ameise irritiert, bevor er panisch aufspringt und den Stuhl dabei zu Boden wirft. Tyrion rennt entsetzt auf ihn zu und hält seinen Kopf, doch er kann nur mit ansehen, wie Rote Ameise vor seinen Augen verstirbt. Angsterfüllt nimmt Tyrion sein Taschentuch und reibt es sich unter die Nase, um zu schauen, ob auch er schon Blut abgibt. Doch sein Tuch bleibt weiß.

Im Laufschritt stürmt Tyrion aus seiner Kabine, um Daenerys Targaryen über den Vorfall zu informieren. Ungehalten klopft er gegen die Tür von Daenerys' Schiffskabine, die von Missandei geöffnet wird. "Ich muss mit der Königin sprechen", verlangt Tyrion mit hektischem Ton. "Die Königin hat sich nach ihrer Fußpflege bereits zu Bett begeben", antwortet Missandei etwas verwirrt. "Was ist los?" "Jemand hat soeben versucht, mich zu töten", entgegnet Tyrion, wobei er Missandei direkt ins Gesicht schaut. "Und deshalb muss ich unverzüglich mit unserer Königin reden. Vielleicht ist auch sie in Gefahr!" Missandei hebt erschrocken die Augenbrauen und gewährt Tyrion schließlich den Zutritt. "Ich werde sofort nach ihr schauen, bitte wartet hier", sagt Missandei.


Die milden Strahlen der Mittagssonne reflektieren sich im weißen Schnee, der die Landschaft um Winterfell bedeckt.

In ihrem privaten Gemach, welches ehemals das Schlafzimmer ihrer Eltern war, sitzt Sansa Stark nun schon seit Stunden, um sich in den Büchern über militärische Kriegsführung zu informieren. Dabei wird sie jäh unterbrochen, als es an ihrer Tür klopft. "Herein!", sagt Sansa, während sie ihren Blick auf die Tür richtet. Eine Dienerin tritt ein und geleitet Petyr Baelish ins Zimmer: "Lord Baelish ist hier, MyLady, wie Ihr verlangt habt", äußert die Dienerin. "Gut", entgegnet Sansa und erhebt sich. "Du darfst gehen." Die Zofe verabschiedet sich daraufhin mit einem tiefen Knicks und verlässt den Raum. "Lady Sansa, Ihr wolltet mich sprechen?", fragt Petyr Baelish mit freundlicher Stimme. "Ja. Bitte nehmt Platz, Lord Baelish", antwortet sie, weist ihm einen Stuhl zu und schenkt ihm etwas Wein ein, ehe auch sie sich hinsetzt. Petyr Baelish nickt dankend. "Ich habe mir die Zeit genommen, um über Eure Worte nachzudenken", beginnt Sansa, während sie ihm eindringlich in die Augen schaut. "Dürfte ich erfahren, zu welchem Schluss Ihr gekommen seid, Lady Sansa?", fragte Baelish in einem neutral klingenden Tonfall. "Ich werde mich nicht gegen Jon wenden, aber ich werde ihn davon überzeugen, das zu tun, was getan werden muss", erwidert Sansa bestimmt. Mit einem Hauch von Neugier im Gesicht sieht Petyr Baelish sie fragend an. "Seit dem frühen Morgen habe in den verschiedenen Büchern unserer Bibliothek Erkundigungen über militärische Strategien und Taktiken eingeholt. Denn ich bin zu der Erkenntnis gelangt, dass jetzt der richtige Zeitpunkt ist, die Burg Schnellwasser, die sich einst im Besitze der Familie meiner Mutter befand, zurückzuerobern. Die Freys besetzen diese Burg aktuell und jedermann weiß, dass die Freys alles Mögliche, jedoch keinesfalls fähige und kampferfahrene Soldaten sind. An der entscheidenden Schlacht am Trident nahmen sie beispielsweise nicht einmal teil, was Walder Frey die legendär gewordene Bezeichnung 'Der späte Walder Frey' einbrachte. Die Lennisters haben sich aus den Flusslanden zurückgezogen. Es ist unsere Chance, die Macht über die Flusslande zu ergreifen und somit zugleich Rache zu üben an den Mördern meines Bruders und meiner Mutter, die auch Ihr dereinst in Euer Herz geschlossen habt", erläutert Sansa, wobei ihre Gesichtshaut errötet und ihre feuchten Augen unheimlich zu glühen beginnen. Petyr Baelish neigt sich etwas nach vorne und scheint zu überlegen. "Wenn es Euch möglich wäre, Schnellwasser einzunehmen, würdet Ihr zudem Euer Reich vergrößern und... " "und die Lennisters schwächen, da die Freys derzeit Verbündete der Lennisters sind", beendet Sansa den Satz. "Es bleibt nur eine Kleinigkeit, die mir Sorge bereitet", fügt Petyr grübelnd hinzu. "Wie wollt Ihr Euren Halbbruder von diesem durchaus legitimen Vorhaben nur überzeugen, Lady Sansa? Immerhin ist es kein Geheimnis, dass er sich momentan vor allem auf den Norden konzentriert und hier so viele Männer wie nur irgend möglich vereinen möchte, um eine Barriere gegen einfallende Untote zu bilden." "Ich werde mit ihm sprechen", gibt Sansa nach einer kurzen Überlegung zur Antwort und erhebt sich. "Das wäre vorerst alles, Lord Baelish." Auch Petyr Baelish steht auf, verbeugt sich und lässt Sansa allein.

Als Lady Sansa ihr Gemach verlässt, schaut sie von der Brüstung in den Hof der Burg hinunter, wo sie Lord Baelish, einige miteinander kommunizierende Ritter des Grünen Tales sowie Yohn Rois erblickt. Sie macht einen tiefen Atemzug und begibt sich schließlich in den Turm, in welchem sich Jons Zimmer befindet. Behutsam klopft sie an die Tür. Als keine Reaktion erfolgt, drückt sie ihr Ohr an die Tür und wird eines polternden Geräusches gewahr, das aus dem Inneren des Raums hervordringt. Vorsichtig öffnet sie die schwere Eichenholztür, wobei ein quietschender Laut entsteht.

"Was tust Du da?", fragt sie irritiert, als sie erkennt, wie Jon fieberhaft eine seiner großen Kommoden durchsucht, und betritt den Raum. "Oh, entschuldige, ich habe Dich nicht gehört", antwortet Jon, ohne seine Suche zu unterbrechen. "Ich bin nur kurz hier, um nach den restlichen kleinen hölzernen Schwertern für die Zehnjährigen zu suchen, die gleich mit ihrem Kampf-Training anfangen sollen." Mit leicht skeptischem Blick setzt Sansa an: "Und ich suche Dich auf, um etwas Bedeutsames mit Dir zu besprechen. Ich..." "Ah, da sind sie ja", sagt Jon mit einem Anflug der Erleichterung, nimmt sämtliche Holzschwerter mit und will an Sansa vorbeigehen. Sie aber hält ihn fest, dreht ihn zu sich und schaut ihm direkt ins Gesicht. "Ich muss mich mit Dir über etwas absolut Wichtiges unterhalten, Jon", versucht Sansa es erneut. "Was ist es denn", fragt Jon hektisch, "das Training muss beginnen, bevor die Toten uns erreichen", sagt er. "Seit Tausenden von Jahren schützt die Mauer die Sieben Königslande erfolgreich vor den Weißen Wanderern. Selbst wenn sie gen Süden ziehen sollten, wie Du sagst, so können sie dort doch nichts weiter tun, als die mehrere Hundert Meter hohe Mauer von der anderen Seite zu bestaunen", antwortet Sansa und deutet ein Lächeln an. "Was ich Dir hingegen sagen muss, betrifft unsere Zukunft im Hier und Jetzt, ganz konkret." "Willst Du mir damit zu verstehen geben, die Weißen Wanderer seien mit ihrer monströsen Armee von Wiedergängern keine konkrete Bedrohung? Du weißt nicht, was ich gesehen habe, niemand hier weiß es", erwidert Jon und schaut sie ernst an. "Das wollte ich damit selbstverständlich nicht zum Ausdruck bringen, ich wollte lediglich, dass Du mir einmal ein paar Minuten zuhörst!", entgegnet Sansa mit einer leicht erhöhten Lautstärke. Als Jon sie schweigend ansieht, fährt sie fort: "Es betrifft die Burg Schnellwasser, den ursprünglichen Familiensitz der Familie meiner Mutter. Wenn wir diese Festung jetzt einnehmen, da die Freys auf sich allein gestellt sind, könnten wir unseren Machtkreis vergrößern und gleichzeitig die Feinde im Süden schwächen." "Sansa... wir haben wirklich keine Zeit für derlei Dinge...", sagt Jon, wonach er sich abwendet und fortgeht. Mit ihren funkelnden Augen verfolgt Sansa ihn noch, während sie ihre Zähne wütend aufeinanderreibt. Nach einem kurzen Gewitter der Gefühle schließt Sansa entschlossen die Tür und schreitet in Richtung des Hofes, um dort Yohn Rois, den Kommandanten der Ritter des Grünen Tales, zu treffen.


In Königsmund herrscht ein kühles Klima, als Cersei sich auf einem Balkon des Roten Bergfrieds eingefunden hat, um von dort aus auf die Straßen der Hauptstadt hinabzuschauen. Die sich hinter einem Gebirge von Wolken versteckende Vormittagssonne schenkt nur ein schwaches Licht, und dennoch kann Cersei am Horizont die mit großen Planen abgedeckten Wagen ausmachen, die gerade im Begriff sind, die Stadt zu verlassen. Zufriedenen Blickes nippt sie an ihrem Weinbecher. "Euer Gnaden", ertönt auf einmal die leise Stimme der Kammerzofe Bernadette hinter ihr, woraufhin Cersei ihren Kopf leicht zur Seite neigt. "Die Hand der Königin wünscht Euch zu sprechen." Schließlich dreht Cersei sich zu ihrer Zofe um und befiehlt: "Schick die Hand zu mir auf den Balkon. Und danach geh!" "Sehr wohl, Euer Hoheit", bestätigt sie die königliche Anweisung mit einem Knicks.

Als Qyburn auf Cersei zukommt, sagt sie zu ihm: "Wie ich sehe, ist die Verwirklichung unseres Vorhabens in vollem Gange." "Ja, Euer Hoheit. Die Apparaturen sind vollständig fertiggestellt und die Seefeuervorräte, die nahe der Drachengrube platziert waren, konnten ohne Komplikationen geborgen werden. Nun wird all dies in die Küstenregionen der Kronlande transportiert. Vor allem die Küstenlandschaft um Drachenstein wird dabei eine besondere Berücksichtigung finden, da es aus verschiedenen Gründen sehr wahrscheinlich ist, dass Daenerys Targaryen dort anlanden wird", berichtet er in ruhigem Ton. Cersei lächelt in sich hinein. "Weshalb sucht Ihr mich auf, Qyburn?", fragt sie und deutet an, ihm etwas vom erlesenen Wein einzuschenken, was er jedoch mit einer dankenden Geste ablehnt. "Ich möchte Euch darüber in Kenntnis setzen, dass Euron Graufreud uns eine Antwort zusenden ließ", erzählt Qyburn, der Cersei während dessen einen versiegelten Brief überreicht. Sie bricht das Siegel und beginnt, die Zeilen zu lesen.

"Die Eisenmänner sind bereits aufgebrochen, um uns in Königsmund zur Seite zu stehen", äußert Cersei, während sie weiterliest. "Stimmt etwas nicht, Euer Hoheit?", fragt Qyburn, nachdem Cersei nicht fortgefahren ist. "Er erwähnt eine spezielle Bedingung, die er erst vor Ort besprechen möchte", erwidert sie. "Es war zu erwarten, dass uns der neue König der Eiseninseln seine Dienste nicht ohne Hintergedanken anbietet, Euer Hoheit", raunt Qyburn Cersei zu. "Eins nach dem anderen...", bestimmt sie, begibt sich ins Innere des Raumes und wirft den Brief ins Kaminfeuer, wobei ihre Mimik gänzlich unverändert bleibt. "Was ist mit meinem Bruder Jaime?", fragt Cersei anschließend Qyburn, der ihr ins Zimmer gefolgt ist. "Seitdem er von Tommens Tod erfuhr, hat ihn kaum jemand gesehen, Euer Gnaden", antwortet er. "Ich denke, ich werde ihn alsbald in seinem Gemach aufsuchen und mit ihm sprechen", entscheidet Cersei, "doch solange ich mir nicht darüber im Klaren bin, wie er mir gegenüber gesonnen ist, sollten wir unser Vorhaben nicht mit ihm teilen. Vielleicht macht er mich für Tommens Suizid verantwortlich." "Das ist ein weiser Entschluss", sagt Qyburn zustimmend.


Da die sich die Khaleesi bereits zur Ruhe begeben hatte, ist ihr silbernes Haar noch etwas durcheinander, als sie gemeinsam mit Missandei den Schlafbereich ihrer Kabine verlässt, um den aufgebrachten Tyrion zu empfangen. "Was ist geschehen?", fragt sie mit fester Stimme und einem kritisch-ernsten Blick. Ein wenig wankend geht Tyrion einen Schritt auf Daenerys zu, ehe er mit leichtem Stottern ausführt: "Euer Gnaden, es tut mir leid, Euch zu solch einer späten Stunde zu stören, doch soeben hat jemand versucht, mich umzubringen. Rote Ameise ist blutend in meiner Schiffskabine zusammengebrochen, nachdem er meinen Wein getrunken hat." "Und Ihr habt Euch dem Trinken nicht angeschlossen?", fragt Daenerys und hebt skeptisch eine Augenbraue. "Doch, Euer Gnaden, der Mörder muss das Gift in den Becher gegeben haben, ich kann es mir nicht anders erklären, denn ich habe den Wein direkt aus dem Krug getrunken... Wesentlich mehr als Rote Ameise!", gibt Tyrion zu, wobei er zu Daenerys empor in ihre Augen blickt. "Und Ihr seid sicher, dass Ihr Euch nicht nur etwas zu viel des Weins zugeführt habt, sodass Ihr möglicherweise nur glaubt, jemand sei in Eurer Kabine zu Tode gekommen?", hakt Daeneys noch einmal nach. "Euer Gnaden... ich bitte Euch, ruft ein paar Unbefleckte und folgt mir in meine Kabine." Daenerys atmet hörbar aus und schaut anschließend Missandei an. "Also gut", willigt Daenerys ein und nickt einmal. "Begeben wir uns zu Eurer Kabine."

In Begleitung von sechs Unbefleckten erreichen sie schließlich die Kabine, deren Tür Tyrion bekümmert öffnet. Er blickt zur Seite und lässt den Unbefleckten den Vortritt, gefolgt von Daenerys. "Nun, Tyrion?", fragt Daenerys. "Seht Ihr es?", fragt Tyrion zurück, der es noch immer vermieden hat, seine Schiffskabine zu betreten. "Ich sehe einen leeren Weinkrug und einen geleerten Becher", bemerkt Daenerys, während sie zum Tisch geht und die Gegenstände näher betrachtet. Irritiert sieht Tyrion ins Zimmer hinein und stellt fest, dass die Leiche ganz offensichtlich entfernt worden ist. "Das verstehe ich nicht", sagt Tyrion, wobei er sich aufmerksam im Raume umschaut. "Er ging genau an dieser Stelle zu Boden und blieb leblos liegen", behauptet Tyrion und zeigt auf den Fußboden. "Aber hier liegt niemand...", kommentiert Daenerys und schaut Tyrion ins Gesicht. "Ich schlage vor, Ihr legt Euch nieder und schlaft Euren Rausch aus!", fügt sie hinzu. "Euer Hoheit, ich bitte Euch, lasst nach Roter Ameise suchen. Ihr werdet ihn nicht lebend finden und dann wisst Ihr, dass jedes Wort, das ich Euch sage, der reinen Wahrheit entspricht!", bittet Tyrion mit einem fast schon flehenden Gesichtsausdruck. Nach kurzer Überlegung nickt Daenerys den anwesenden Unbefleckten zu und weist an: "Zwei der Unbefleckten werden auf dem Schiff nach Roter Ameise suchen, zwei weitere werden vor Lord Tyrions Kabine Wache halten und die letzten zwei geleiten mich zurück zu meiner Kabine, damit ich meinen Schlaf finden kann." Die Unbefleckten tun, wie ihnen geheißen, und Daenerys wirft Tyrion noch einen letzten Blick zu, bevor sie sich abwendet und sich zurückzieht.

Auch Tyrion legt sich in sein Bett und grübelt, wer in einer derart kurzen Zeit eine schwere Leiche aus seiner Kabine beseitigen konnte und weshalb ihn jemand an Bord des Lebens berauben wollte.


Die spätabendliche Atmosphäre in Winterfell strahlt eine trügerische Ruhe aus, als Sansa sich in ihrem Privatgemach mit Yohn Rois unterhält. Das Feuerholz des Kamins erzeugt gelegentlich knackende Geräusche, doch ansonsten sind keine Laute aus der Umgebung zu vernehmen.

"Schön, dass Ihr es einrichten konntet, Lord Rois", beginnt Sansa die Konversation und lächelt dezent. "Sehr gern, MyLady", gibt Yohn Rois höflich zur Antwort, "als Ihr vorhin auf mich zukamt, erwähntet Ihr ein dringliches Anliegen?" "Das tat ich", erwidert Sansa, erhebt sich, geht zum Kamin und betrachtet die lodernden Flammen des Feuers. "Ihr wisst genauso gut wie ich, dass der Winter eingetroffen ist und dass jenseits der Mauer, im hohen Norden, eine gigantische Armee von Untoten nur darauf wartet, die Lebenden zu töten und das gesamte Land zu zerstören." "Ja, MyLady, der König des Nordens wird nicht müde, davon zu berichten", entgegnet Lord Rois und beobachtet Sansa, die sich abrupt zu ihm umdreht und ihn anschaut: "Ihr habt so manche Schlacht geschlagen und seid kampferfahren, Lord Rois. Deshalb sagt mir: Für wie sinnvoll erachtet Ihr es angesichts der Gefahr im Norden, unsere Feinde im Süden zu ignorieren? Die Freys regieren derzeit die Flusslande, welche südlich an den Norden grenzen. Damit haben wir Feinde direkt im Norden und im Süden." Nachdenklich blickt Yohn Rois durch eines der Fenster in die Dunkelheit, bevor er spricht: "Ihr habt gewiss Recht, Lady Sansa, dass wir uns in einer nachteiligen Position befinden, wenn man bedenkt, dass..." "Was schlagt Ihr also vor, um diese Situation zum Positiven zu wenden?", fällt Sansa ins Wort. "Wir sollten uns der Feinde im Süden annehmen, solange die Mauer das Heer der Wiedergänger noch zurückhält, MyLady", schlägt Yohn Rois vor. Sansa nähert sich Yohn und schaut ihm nun direkt ins Gesicht, wobei das Kaminfeuer ihre linke Gesichtshälfte flackernd in einem orangefarbenen Licht aufleuchten lässt: "Genau dies war auch mein Gedanke", äußert Sansa mit gedämpfter Stimme. "Doch wie können wir meinen Bruder überzeugen, der sich so sehr auf den Feind aus dem Norden fokussiert, dass er jedwede Gefahr, die der Süden für uns bereithält, schlichtweg vergisst?", fragt Sansa, während sie sich wieder dem Kamin zuwendet.

Yohn Rois schaut sich zunächst etwas ratlos um, ehe er sich erhebt und in festem Ton bemerkt: "Lady Sansa, ich habe die Ritter des Grünen Tales Euretwegen in den Norden geführt, um in Eurem Namen Winterfell zurückzuerobern. Wenn Ihr wünscht, dass ich die Ritter des Tals in die Flusslande geleite, dann werde ich das tun!" Auf Lady Sansas Antlitz zeichnet sich ein siegessicheres, zufriedenes Lächeln ab, als sie in das Feuer sieht. "Glaubt Ihr, die Ritter des Grünen Tals sind in der Lage, Schnellwasser einzunehmen, Lord Rois?", fragt sie sodann. "Verzeiht mir, MyLady, wenn ich anmerke, dass Schnellwasser zwar einst der Sitz der Tullys war, die Freys sich aber vorzugsweise in den Zwillingen aufhalten. Lord Walder Frey verlässt die Zwillingstürme nur sehr selten. Und auch seine ältesten Söhne, die nach ihm Lord der Flusslande würden, befinden sich zumeist dort", erläutert Yohn Rois. "Wir sollten die hohen Lords des Hauses Frey vernichten und somit die Zwillingstürme angreifen", stimmt Sansa zu, "doch die Zwillinge gelten bekanntlich als uneinnehmbar. Dank des Tridents werden sie zudem immerfort mit Wasser versorgt, sodass eine Belagerung viel zu viel Zeit in Anspruch nähme", führt sie weiter aus. "Das sehe ich genauso, Lady Sansa", kommentiert Yohn, "es muss eine andere Strategie geben." Grübelnd schreitet Sansa aufs Fenster zu, wobei sie in der Finsternis den Hof von Winterfell ausmachen kann.

"Ihr stellt dort unten sehr viele Rüstungen her, nicht wahr?", fragt Sansa unvermittelt. "Ja, MyLady, tagtäglich, um gewappnet zu sein, wenn die Untoten uns erreichen. Diesbezüglich erwartet uns noch eine Menge Arbeit", bestätigt Yohn Rois etwas irritiert. "Dann gibt es möglicherweise einen vielversprechenden Weg, um die Zwillingstürme zu erobern und die Freys zu entmachten", sagt Sansa, während sie sich zu Yohn umdreht und ihn mit verschwörerischem Blick ansieht. "Allerdings erzähle ich nur Euch von meiner Idee und Ihr werdet sie ebenso mit niemand anderem teilen. Mit NIEMANDEM!", weist Sansa nachdrücklich an.


Als sich die ersten Strahlen der morgendlichen Sonne auf der Wasseroberfläche des Meeres spiegeln und sanfte Winde über das Schiff wehen, klopft es an Tyrions Tür. Nach all dem intensiven Nachdenken ist Tyrion schlussendlich doch noch in den Schlaf gefallen, aus welchem er schreckhaft erwacht er, als er des Klopfens gewahr wird. "Die Königin hat eine Versammlung einberufen. Ihr sollt Euch an Deck einfinden", ruft jemand durch die verschlossene Tür. Mit schwerem Kopf entsteigt Tyrion gemächlich seinem Bett und bewegt sich zur Tür, an die er lauschend sein Ohr hält. Schließlich öffnet er vorsichtig die Tür, erkennt die beiden Wachen und folgt ihnen auf das Deck des Königinnenschiffes.

Dort wird er bereits von Daenerys Targaryen, Olenna Tyrell, Ellaria, Tyene, Obara und Nymeria Sand erwartet. Auch Varys, Grauer Wurm und Missandei sind anwesend. Daenerys wendet den Anwesenden noch den Rücken zu, doch als Tyrion an Deck eintrifft, dreht sie sich schließlich um und erklärt: "Bereits in der Morgenfrühe wurde ich darüber in Kenntnis gesetzt, dass Rote Ameise nicht gefunden werden konnte - weder tot noch lebendig. Wir befinden uns auf einem Schiff. Welche Schlussfolgerung ist also naheliegend, Lord Tyrion?", fragt Daenerys ihre Hand. "Rote Ameise wurde augenscheinlich über Bord geworfen, nachdem er vergiftet worden war", konstatiert Tyrion. "Da der Mordanschlag offensichtlich Lord Tyrion galt, stellen sich vor allem zwei Fragen: Wer kennt sich auf dem Schiff mit Giften aus und wer hegt Antipathien gegenüber Tyrion Lannister?", äußert die Khaleesi, während ihr Blick auf die Sandschlangen fällt. Als diese nur schweigen, kommt Daenerys auf sie zu und meint: "Ich kann auch veranlassen, dass sämtliche Kabinen durchsucht werden, um herauszufinden, ob jemand entsprechende Gifte mitführt..." Drohend weiten sich ihre Augen. Ellaria, die sichtlich nervös wird, hebt schließlich ihr Haupt und behauptet: "Ich bin es gewesen. Ich habe die Lannisters gehasst. Sie haben mir meinen Geliebten genommen!" Tyene schaut entsetzt zu ihrer Mutter und bekennt zügig sprechend: "Nein, ich bin es gewesen! Ich wollte den Lennister töten, ihn meiner Mama zum Geschenk machen und ihn dann gemeinsam mit ihr ins Wasser werfen! Niemand hätte etwas vom Gift bemerkt und Mama hätte nicht so lange auf tote Lennisters warten müssen! Ich wollte ihr nur eine Freude machen!" Ellaria widerspricht vehement: "Nein! Tyene hat damit nichts zu tun!"

Abwechselnd schaut Daenerys Ellaria und Tyene an. Dann sagt sie: "Nun, wie ich sehe, besteht keine Einigkeit. Dann sollte ich Euch beide ins Meer werfen lassen, um mich potenzieller Verräter zu entledigen. Ich brauche niemanden, der unsere Bündnisse von innen heraus destabilisiert. Wer einen Anschlag auf meine Hand organisiert, wird womöglich auch vor einem Attentat auf mich nicht zurückschrecken. Ergreift sie!", befiehlt Daenerys den ebenfalls anwesenden Unbefleckten, die sich sogleich anschicken, Ellaria und Tyene festzunehmen. Schockiert schaut Ellaria ihre Tochter an, die ängstlich ihre Mutter ansieht. "Wenn die Wahrheit gesprochen wird, lasst Ihr dann Gnade walten und verschont das Leben der schuldigen Person?", fragt Ellaria verzweifelt. Daenerys hebt die Hand und signalisiert den Unbefleckten damit, dass sie anhalten sollen. Sie geht auf Ellaria zu, schaut ihr direkt in die Augen und sagt: "Ich gebe Euch hiermit eine letzte Chance, die Wahrheit kundzutun. Wird diese Gelegenheit versäumt, gibt es kein Erbarmen mehr." Unsicher und mit traurigen Augen schaut Ellaria ihre Tochter an und nickt, wonach sie ihren Kopf senkt. "Sie hat mir noch in der Nacht davon erzählt", eröffnet Ellaria, "bitte zeigt Euch gnädig gegenüber meiner Tochter", bittet sie leise. Daenerys schaut die Unbefleckten an, die Tyene noch immer festhalten. "Durchsucht die Kabine nach Giften und Waffen und nehmt sie an euch, danach sperrt ihr sie in die Kabine und bewacht sie zu jeder Tages- und Nachtzeit." Ohne zu zögern befolgen die Unbefleckten die Instruktion und führen Tyene zu ihrer Schiffskabine. Danach sieht Daenerys ernsten Blickes Ellaria an und ergänzt: "Über alles Weitere befinde ich, sobald wir festes Land erreicht haben."


Erste Schritte auf dem Pfad der Wandlung

Nachdem sich Daenerys wieder in ihre private Schiffskabine begeben hat, setzt sie sich an den verzierten Holztisch und lässt sich von Missandei etwas Wein eingießen. "Wie soll sich die sieben Königslande erobern, wenn meine Verbündeten Gefallen daran finden, sich schon gleich zu Beginn gegenseitig zu bekriegen?", fragt Daenerys mit einem Hauch von Ratlosigkeit. Gerade als Missandei zur Antwort ansetzen möchte, pocht es an der Kabinentür. Missandei stellt den Krug mit dem Wein ab, um zur Tür zu gehen und Selbige zu öffnen. "Ich bitte um Verzeihung, doch ich müsste noch einmal die Aufmerksamkeit unserer Königin beanspruchen", spricht Tyrion, wobei er Missandei bittend anschaut. "Einen Moment bitte", antwortet Missandei, die sich zu Daenerys umdreht und ein paar Schritte auf sie zugeht. "Lord Tyrion wünscht Euch zu sprechen, meine Königin", sagt Missandei. Daenerys, die gerade einen Schluck ihres Weines nimmt, stellt das Glas auf dem Tisch ab und blickt durch das Kabinenfenster nach draußen aufs Meer, dessen Wellen infolge eines zunehmenden Windes an Höhe gewonnen haben. "Lass ihn eintreten", bestimmt Daenerys sodann. Missandei nickt und bittet Tyrion herein. "Euer Gnaden", äußert er, als er sich Daenerys nähert. "Ich bin gekommen, um mit Euch noch einmal über die Konsequenzen des Vorfalls der letzten Nacht zu sprechen", fügt er hinzu. Zögerlich fährt sich Daenerys mit ihrer Zunge über die Lippen, wobei sie die Süße des Weines schmeckt. "Nun denn", gibt sie schließlich zur Antwort, während sich ihr kühler Blick auf Tyrion richtet. "Was habt Ihr zu verkünden?" "Ich weiß, dass Ihr missgestimmt seid, Euer Hoheit", setzt Tyrion an", doch ich muss Euch fragen, was Ihr mit Tyene Sand zu tun gedenkt, wenn wir das Festland erreicht haben...?" "Seid unbesorgt, Lord Tyrion", entgegnet Daenerys. "Personen, die versuchen, heimtückisch meine Hand zu ermorden, werden eine angemessene Strafe empfangen, insbesondere, wenn es sich bei ihnen noch um Verbündete handelt. In dem Falle kommt solch ein Handeln einem unverzeihlichen Verrat gleich, der mit aller Härte geahndet werden muss", erklärt sie mit monotoner Stimme.

Nach den richtigen Worten suchend geht Tyrion zum Tisch, an welchem Daenerys sitzt und meint: "Ihr wisst ja sicher, dass wir in Dorne anlanden werden, zufälligerweise also in jenem Königreich, in dem die Sandschlangen wohnhaft sind. Ich halte es daher für vorteilhafter, dass wir auf eine Urteilsvollstreckung verzichten..." "Wollte Ihr damit andeuten, ich soll einen versuchten Mord und einen begangenen Verrat ungestraft lassen?", fragt Daenerys mit leichter Empörung in der Stimme, wobei sie sich erhebt. "Ich meine nur, dass wir vielleicht einen anderen Zeitpunkt für die Bestrafung wählen sollten. Wir könnten die Sandschlange zur Rechenschaft ziehen, nachdem der Eiserne Thron Euer ist! Andernfalls könnten wir die Allianz mit den Dornischen gefährden", argumentiert Tyrion. Daenerys schaut ihn mit festem Blick an und erwidert: "Ich bin die rechtmäßige Königin von Westeros. Ich habe drei Drachen. Wenn sich die Dornischen gegen uns stellen, sind sie meine Feinde und ich werde sie vernichten! Ihr seid Euch dessen bewusst, dass der Anschlag auf Euch zugleich ein Angriff auf mich war, oder nicht? Welches Zeichen setze ich, wenn einem solchen Loyalitätsbruch nicht umgehend die entsprechende Strafe folgt? " "Ja, Euer Hoheit, gewiss, doch wir unterhielten uns in Meereen bereits darüber, dass Ihr in keinem Falle werden wollt wie Euer Vater, der ebenfalls ganze Städte zerstören wollte. Wir gehen in Dorne an Land, weil wir ein Bündnis mit den Dornischen geschlossen haben und nicht, um dort einen Krieg anzufangen."Tyrion sieht sie eindringlich an. Nach kurzem Nachdenken nimmt Daenerys wieder Platz und lenkt ein: "Nun gut, ich erkläre mich bereit, die Ahndung des Verrats vorzunehmen, sobald wir den Krieg für uns entschieden haben." Mit einem Anflug der Erleichterung atmet Tyrion aus. "Danke, Euer Hoheit", kommentiert er noch, als das Schiff schlagartig ins Wanken gerät. Hohe Wellen bewegen sich an den Fenstern der Königinnen-Kabine vorbei und der Vormittagshimmel hat sich inzwischen verdunkelt.

"Ein Gewitter zieht auf!", ertönt es von draußen, wonach es heftig zu regnen beginnt. Die trommelnden Laute der Segel sind bis ins Innere des Schiffes zu vernehmen. Missandei schnappt nach dem Weinkrug, bevor er zu Boden gehen kann. Daenerys steht auf und verlässt zügig ihre Kabine. Tyrion und Missandei stürzen hinterher: "Wohin wollt Ihr denn?", ruft Tyrion ihr fragend hinterher. Der Sturm zerzaust die weißblonden Haare der Khaleesi, die an Deck nach Grauer Wurm sucht. Als sie ihn schließlich findet, fragt sie hektisch: "Wo sind meine Drachen? Ich kann sie nirgends ausmachen!" Gauer Wurm sieht sich um und deutet auf drei große Schatten, die direkt neben dem Königinnen-Schiff fortbewegen: "Wegen des Gewitters fliegen sie tief, Euer Gnaden", sagt Grauer Wurm durch den prasselnden Regen hindurch. Besorgt schaut Daenerys zu den Schatten. "Wie weit ist es noch bis Dorne?", fragt sie weiter. "Nur noch wenige Tage, dann erreichen wir Sonnspeer." Daenerys sieht ihn an und nickt, ehe sie sich wieder in ihre Schiffskabine zurückzieht, wo Tyrion und Missandei sie schon erwarten.


Auch in den Flusslanden, bei den Zwillingen, hat sich der Himmel verfinstert und die tosenden Winde fegen durch die angrenzenden Wälder, wodurch ein rauschend-heulendes Geräusch entsteht.

"Wo sind mein Vater und meine älteren Brüder?", fragt Olyvar Frey aufgebracht in die Runde, nachdem er einige seiner Geschwister sowie sämtliche Bedienstete des Hauses Frey im geräumigen Festsaal der Zwillinge versammelt hat. "Ich habe sie schon seit Tagen nicht mehr gesehen! Mein Vater verlässt niemals die Zwillingstürme. Er kann doch nicht einfach verschwunden sein!" Hilflos tuschelnd schauen sich die Geschwister und Bediensteten untereinander an. "Roslin!", sagt Olyvar plötzlich zu seiner Schwester. "Bestimmt hat Dein Ehemann damit zu tun! Ist er noch in seiner Zelle?" "Ich denke schon", antwortet Roslin in leisem Ton. "Was heißt, Du denkst? Sieh gefälligst nach!" Kommentarlos verlässt Roslin daraufhin den Saal.

"Ich habe Vater mehrmals gesagt, er solle Edmure Tully töten. Die Tullys haben für unsere Familie noch nie etwas Gutes bedeutet, denn schon immer haben sie auf uns herabgesehen. Doch Vater wollte ja wieder einmal nicht hören! Das muss die Sturheit des Alters sein...", murmelt Olyvar vor sich hin, bis Elmar Frey vollkommen durchnässt den Raum betritt. "Ein Rabe kam vor Kurzem an. Die Lannisters kehren in Bälde zu uns zurück, um die Flusslande gegen die Ritter des Grünen Tals zu sichern, die sich nach der Schlacht der Bastarde offenbar mit den Nordmännern verbündet haben! Die Lannisters entsenden einen Teil ihrer Armee und bringen sogar eigene Verpflegung mit!" Olyvar Freys Augen leuchten auf, bevor er den Brief entgegennimmt und antwortet: "Das ist eine glückliche Fügung! Die Lannisters können uns womöglich helfen, das Verschwinden unseres Vaters und unserer Brüder schnellstmöglich aufzuklären! Der hier anwesende Haufen ist ja dazu nicht in der Lage." "Wann genau werden die Lannisters hier eintreffen?", erkundigt sich eine Küchenhilfe. "Was geht's Dich an? Geh in die Küche und bereite das Abendessen zu", fährt Olyvar Frey sie an, "und nun geht alle und bereitet die Ankunft der Lannisters vor. Solange mein Vater und meine älteren Brüder fort sind, werde ich als als Drittgeborener als stellvertretender Lord fungieren. Die Zusammenkunft ist hiermit aufgelöst." Er wendet sich ab und setzt sich nachdenkend an einen der Tische. Da erscheint auf einmal ein Schatten neben ihm, sodass er aufschreckt. "Mein Ehemann befindet sich nach wie vor im Verlies", erläutert Roslin Frey, die soeben zurückgekommen ist. "Edmure war sehr gut zu mir, ich wusste, er hat nichts mit dem Vorfall zu tun", erklärt sie. Olyvar winkt nur ab und meint: "Lass mich jetzt allein!", woraufhin Roslin sich zurückzieht.


Ein festes Klopfen ertönt am frühen Abend an der schweren Holztür von Jons Zimmer. "Herein", ruft er mit halber Aufmerksamkeit, woraufhin Sansa die Tür öffnet und den Raum betritt. In den Händen hält sie ein Tablet, auf dem sich zwei Kelche und eine Flasche voll Wein befinden. "Du bist wieder sehr in Arbeit vertieft, wie ich sehe", bemerkt Sansa und stellt das Tablet vor Jon auf den Tisch. "Ich schaue mir gerade eine Aufzeichnung der Mauer an. Der erste große Überfall ereignete sich in Hartheim im Osten. Es ist daher nicht unwahrscheinlich, dass die Weißen Wanderer sich weiterhin ostwärts auf die Mauer zubewegen", erläutert Jon ohne aufzublicken. Sansa greift nach Jons Hand, die ruhig auf dem Tisch liegt, und schaut ihn an. "Jon?", fragt sie sanftmütig. Er blickt ihr nun ins Gesicht und sie lächelt freundlich.

"Ich habe einen hervorragenden dornischen Wein besorgt, von dem ich gerne mit Dir tränke. Verbinden möchte ich damit gleichzeitig eine Entschuldigung. Du hattest vollkommen Recht. Wir sollten uns zunächst auf die unheilvolle Bedrohung jenseits der Mauer konzentrieren, bevor wir uns anderen Feldern widmen. Ich möchte Dich bitten, mir zu vergeben und darauf anzustoßen, dass ich nun kompromisslos hinter Dir und Deiner Mission stehe." Jon sieht auf den Wein und hebt etwas skeptisch die Augenbrauen. "Keine Sorge!", sagt Sansa lachend, "ich spreche nicht vom Betrinken, sondern von einem Anstoßen als Signal für einen Neubeginn!" "In Ordnung", antwortet Jon, "aber nur wenig für mich bitte." "Gewiss doch", antwortet Sansa und schenkt beiden ein. Jon hebt seinen Kelch und spricht: "Auf das Leben und die Lebenden!", wonach auch Sansa ihren Kelch in die Höhe hält und meint: "... und auf den Norden, unsere Heimat!" Und beide beginnen ihre Kelche zu leeren.

"Morgen wirst Du das Training fortsetzen?", erkundigt sich Sansa. "Ja, wie jeden Tag", gibt Jon Auskunft. Nach einer kurzen Weile spürt Jon eine Schwere, die sich in seinem kopf auszubreiten scheint. Er wird schläfrig, versucht sich aufrecht zu halten und sinkt schlussendlich dennoch auf den Tisch. "Was ist...", möchte er fragen, bevor er schließlich vom Schlaf besiegt wird. Sansa betrachtet Jon mit kühlem Blick. Dan erhebt sie sich und verschließt seine Tür von außen. "Lady Sansa?", ruft Yohn Rois zu ihr hinauf. Sansa neigt sich über die Brüstung, schaut hinunter auf den Hof und nickt Yohn Rois mit gleichbleibendem Gesichtsausdruck zu.


Auch einige Tage später ist der Himmel noch immer von schwarzgrauen Wolken verhangen, die von starken und kalten Stürmen begleitet werden. Das Rauschen der Wälder gleicht mittlerweile einem Donnern und auf dem Trident herrscht ein chaotischer Wellengang.

Olyvar Frey hat sich unterdessen auf dem Sitzplatz seines Vaters eingefunden und nimmt dort seine abendliche Mahlzeit zu sich. Pfeifende Geräusche dringen von draußen durch die Ritzen der Mauern und des großen Tors ins Innere. "Bring mir noch eine zweite Portion", fordert er die Küchenhilfe auf, die ihm an jenem Tag die Speisen serviert. Als sie mit dem Essen zurückkehrt und es vor ihm platziert, inhaliert Olyvar den lieblichen Duft. Plötzlich springt die Tür zum Saal auf und Elmar Frey stürmt herein. Voller Aufregung keucht er: "Die Lannisters... Ich glaube, die Lannisters sind da, es sind wilde Pferde zu hören und ein Geschrei, ich glaube, sie sind auf der Flucht. Die Späher meinten, bei den Verfolgern handele es sich um die Ritter des Grünen Tales. Kurz konnten sie deren Wappen erkennen. Sie sind direkt auf dem Weg hierher!" "Dann müssen wir schnell sein!", sagt Olyvar mit dröhnender Stimme und springt auf. "Wie dicht sind die Tal-Ritter den Lannisters auf den Fersen?", fragt er. "Die Späher konnten nur sehen, dass die Lannisters noch einen gewissen Vorsprung haben", antwortet Elmar. "Dann lasst die Lannisters herein, so müssen wir keine eigenen Soldaten hinausschicken und opfern!", befiehlt Olyvar. Nickend läuft Elmar wieder nach draußen. "Wo ist denn nur dieser verdammte Brief?", fragt sich Olyvar fluchend, als er sich anschicken will, den Raum zu verlassen und des Briefes nicht mehr fündig wird.

Als Olyvar ins Freie kommt, wird den Lannister-Soldaten gerade der Einlass gewährt. "Ein Lannister-Soldat sagte mir, sie seien überrascht worden. Eventuell haben die Ritter des Grünen Tales etwas von ihrer Reise bemerkt. Der Transport mit den Lebensmitteln bewegt sich aber zum Glück auf der anderen Seite des Flusses entlang, wo die Ritter des Tals nicht angreifen können. Er trifft hoffentlich in Kürze am anderen Zwillingsturm ein", berichtet Elmar Frey. "Gut", gibt Olyvar zur Antwort: "Wenn das nun alle Lannister-Soldaten waren, schließt das Tor, aber schnell!", gebietet er.  "Die Ritter des Grünen Tals haben sich anscheinend zurückgezogen, nachdem die Lannisters unsere Tore passiert haben", teilt Elmar erfreut mit. "Kein Wunder", erwidert Olyvar, "die wissen, dass ein Frontalangriff auf die Burg sinnlos und eine Belagerung viel zu langwierig ist." Nachdem alle Lannister-Soldaten untergebracht worden sind, kehrt Ruhe auf den Zwillingen ein.

Am nächsten Tag unterhält sich Olyvar bereits am frühen Morgen mit Elmar Frey im Hof des Zwillings. "Lord Frey... oder stellvertretender Lord Frey...", ruft ein Bediensteter des anderen Zwillingturmes, "der Transport mit den Vorräten ist vorhin eingetroffen." "Ausgezeichnet, dann lasst ihn herein und lagert die Speisen in den Kammern ein!", befiehlt Olyvar, was der Bedienstete nickend bestätigt. Plötzlich kommt ein Lannister-Soldat gerannt und er sagt: "Unser Hauptmann hat vorgeschlagen, dass wir uns im großen Saal treffen, um über die Verteidigungsstrategien zu diskutieren." Olyvar stimmt zu und geht zusammen mit Elmar, einigen Lannister-Soldaten, deren Hauptmann und den Kommandanten der Frey-Soldaten in den Saal. Während sie dort mit den Gesprächen anfangen, werden auf einmal die zwei Späher, die das Außentor des Zwillingsturms bewachen, von jeweils einem Pfeil in den Hals getroffen, sodass sie tot zu Boden fallen. Daraufhin eilt einer der Lannister-Soldaten zum Tor, um es zu öffnen. Identisches geschieht mit dem Tor, das zu der die beiden Türme verbindenden Brücke führt. Schon nach kurzer Zeit reitet eine große Armee, bestehend aus den Rittern des Grünen Tals, auf das offene Tor zu und dringt schließlich in den Zwilling, wo sie sogleich damit beginnen, aufmerksam gewordene Frey-Soldaten zu massakrieren. Im Inneren des Turms töten die Lannister-Soldaten ganz unverhofft die anwesenden Hauptmänner der Frey-Soldaten, indem sie sie mit ihren Schwertern durchbohren. Die beiden Frey-Brüder werden festgesetzt. Im Hofe reitet indessen ein großer Teil des Tal-Heeres über die Brücke zum anderen Zwillingsturm, dessen Tor zur Brücke ebenfalls geöffnet worden ist. Als die Ritter des Grünen Tals im Hof des zweiten Zwillings ankommen, ist der Boden bereits mit gefallenen Frey-Soldaten übersät. Das Massaker findet ein Ende und die Verantwortlichen betreten den großen Festsaal.

"Wer seid Ihr?", fragt Olyvar unsicher und irritiert, als Sansa Stark und Yohn Rois den Saal erreichen. "Ich bin Sansa Stark, die Lady von Winterfell... und wie es aussieht, wurde ich soeben auch zur Herrin über die Flusslande, denn ich habe den Sitz der Freys eingenommen. Und dies ist Yohn Rois, der Kommandant der Ritter des Grünen Tals, den ich hierher begleitet habe". Sansa zeigt in lord Rois' Richtung. "Lady Stark?", fragt Olyvar ungläubig zurück. "Wieso sollten die Lannisters mit den Starks kooperieren?", hakt er nach. "Oh, unsere Rüstungsschmiede würden sich zweifelsohne geehrt fühlen, erführen sie, dass man die imitierten Lannister-Rüstungen tatsächlich für echt gehalten hat. Tagelang haben sie damit verbracht, diese Rüstungen herzustellen. Als sie vollständig fertiggestellt waren, habe ich eine Nachricht mit der falschen Information, dass die Lannisters zu Euch stoßen wollen, um Euch bei der Verteidigung der Flusslande zu helfen, an Euch geschickt. Dass die Frey-Soldaten sich nicht gerade durch militärische Kompetenz auszeichnen, ist ja hinlänglich bekannt und so ahnte ich bereits, dass Ihr die Hilfe der Lannisters gerne annehmt, zumal sie ja bereits erfolgreich die Burg Schnellwasser in Euren Schoß geführt haben, wozu Ihr wiederum nicht fähig wart. Der größte Teil der Ritter des Grünen Tals wartete gemeinsam mit mir und Yohn Rois unerkannt in der Tiefe des dichten Waldes auf das Signal, das darin bestand, das große Außentor zu öffnen", schließt Sansa ihren Bericht ab. "Dann war die ganze Jagd der falschen Lannister-Soldaten also nur inszeniert", flüstert Elmar Frey schockiert. "So war es", bestätigt Sansa und geht auf ihn zu. "Und nun: Wo hält sich Walder Frey versteckt?", fragt sie direkt. "Das wissen wir leider auch nicht MyLady", antwortet Elmar angsterfüllt und fällt auf die Knie, während Olyvar nur fassungslos ins Leere starrt. "Sucht Walder Frey und bringt ihn her, sofern ihr ihn findet", weist Sansa die Ritter des Tals an, die sich sogleich auf die Suche machen. "Bitte tötet uns nicht, Lady Stark, wir tun auch, was Ihr verlangt", fleht Elmar Frey, doch Sansa würdigt ihn keines Blickes.     

Sansa sieht sich in dem geräumigen Saal um, der von zahlreichen Kronleuchtern und Kerzen erhellt wird. Mit ihrer rechten Hand fährt sie über das glatte, ebenmäßige Holz eines Stuhls, dessen Verzierung die Zwillingstürme zeigt. Während sie dabei noch einmal über die jüngsten Ereignisse nachdenkt, kehren die Ritter des Grünen Tales in die große Halle zurück und berichten umgehend von ihrem Ergebnis: "Wir haben Walder Frey gefunden. Er ist tot, MyLady. Er lag mit durchtrennter Kehle in einem der Misthaufen nahe der Festung. Ihm wurde zudem der Bauch geöffnet und die Gedärme entfernt", der Soldat schluckt und hält kurz inne, ehe er fortfährt, "und anschließend wurde sein Leib noch mit Mist gefüllt, Lady Sansa", beendet er schließlich seinen Satz.

Die anwesenden Söhne von Walder Frey horchen mit einem Anflug des Entsetzens auf. Sansa wendet sich irritiert fragend an Yohn Rois: "Wer sollte den Lord der Flusslande in seinem eigenen Heim ermorden?" Nach einer plausiblen Antwort suchend, schaut Yohn Rois durch den Raum, bis er schließlich bekennt: "Ich weiß es nicht, MyLady. Aber es ist allgemein bekannt, dass Lord Walder Frey nicht sonderlich beliebt war, nicht einmal bei seiner eigenen Familie. Er war für seine griesgrämige Art und seinen Altersstarrsinn berüchtigt." Von dieser Erklärung noch nicht gänzlich überzeugt, geht Sansa auf Olyvar Frey zu: "Was ist geschehen?", fragt sie knapp. "Ich bin genauso ratlos wie Ihr, MyLady, wir wussten nichts vom Tode unseres Vaters, das versichern wir Euch!", spricht er mit leicht zitternder Stimme. "Ihr lebt Seite an Seite mit Eurem Lord und Vater und könnt keine Auskunft darüber erteilen, wer ihn ermordet?", hakt sie noch einmal kritisch nach, als plötzlich die Tür aufgerissen wird und weitere Soldaten des Tals eintreten. "Lady Sansa", rufen sie völlig außer Atem, "wir haben etwas gefunden..." Als Sansa die Soldaten auffordernd anblickt, entleeren sie einen Sack, aus dem zwei abgetrennte Köpfe auf den Boden rollen. Die Augen Olyvars weiten sich und Elmar stößt einen kurzen Schrei aus. Sansa tritt zwei Schritte zurück und wirft den Soldaten anschließend einen fragenden Blick zu. "Uns wurde im Hofe bestätigt, dass es sich bei den beiden um die ältesten Söhne Walder Freys - Walder Strom und Lother Frey - handelt, MyLady", erzählt einer der Soldaten hastig. Sansa mustert die beiden Köpfe, wonach sie sich erneut an Olyvar und Elmar wendet: "Nun? Wisst Ihr noch immer nicht, was hier vor sich ging?", fragt sie etwas energischer. "MyLady", sagen beide fast gleichzeitig, "bitte glaubt uns, wir sind genauso überrascht wie Ihr!"

Grübelnd dreht Sansa sich um und schreitet durch den Saal, bis sie sich auf dem Absatz herumdreht und in kühlem Ton zu Olyvar sagt: "Ich glaube, nun könnt Ihr tatsächlich etwas für mich tun..." Olyvar schaut sie in ängstlicher Erwartung an. "Olyvar Frey und zwei Wachen bleiben hier, alle anderen verlassen nun bitte den Saal", äußert Sansa, "und Lord Rois, seid so freundlich und besorgt mir Papier, eine Feder und ein Tintenfass. "Sehr wohl, MyLady", bestätigt Yohn Rois und beginnt sich auf die Suche nach den erwünschten Utensilien.

Sansa nimmt auf Walder Freys ehemaligem Stuhl Platz und weist die beiden Soldaten an, Olyvar näher zum Tisch zu bringen, da kommt gerade Yohn Rois zurück und legt die geforderten Gegenstände vor Sansa auf dem Tisch ab. Papier und Tintenfass schiebt sie Olyvar Frey zu und überreicht ihm die Feder. "Ihr werdet jetzt allen Freys, die etwas bedeuten, einen Brief schreiben mit der Mitteilung, dass sie sich zur Beerdigung Walder Freys in den Zwillingen einfinden sollen", befiehlt Sansa, "außerdem soll der Nachlass Eures Vaters verwaltet werden." Olyvar nickt und fängt an, die Briefe aufzusetzen. Sansa kann sich ein dezentes, kaum zu erkennendes Lächeln nicht verbergen.


In Begleitung des Bergs geht Cersei schnellen Schrittes die Korridore des Roten Bergfrieds entlang, um schließlich ins Freie zu gelangen. Ihr rotgoldenes Kleid schleift dabei auf dem Erdboden. Zielgerichtet geht sie durch die Gärten der Burg bis zu den Klippen, an denen sich rauschend die Wellen brechen. Die kühlen Winde wehen über Cerseis Gesicht. Sie schaut über die Küstenlandschaft und erkennt schließlich ihren Zwillingsbruder sitzend am Ufer. Sie steigt die steinernen Treppen hinab und nähert sich ihm.

"Du hast noch nicht mit mir gesprochen, seit Du wieder hier bist. Meidest Du mich bewusst?", fragt Cersei, die nun direkt hinter Jaime steht. Schweigend neigt Jaime seinen Kopf zur Seite, ohne Cesei dabei sehen zu können. "Unser Sohn...", beginnt er, "er ist tot... Wieso?", fragt er, wobei die Verzweiflung in seiner Stimme unverkennbar ist.  "Von allen Seiten wurde er hin- und hergerissen, bis es ihn schließlich zerrissen hat. Vater, Margaery Tryell, die fanatischen Spatzen... Sie alle haben unseren Sohn, der ihnen wehrlos ausgeliefert war, gemeinsam getötet...", gibt Cersei zur Antwort. "Cersei", sagt Jaime, steht auf und sieht Cersei mit geweiteten Augen an, "die Explosion in der Septe, die zahlreichen Todesopfer... Was ist hier passiert?" "Ein tragischer Unfall", kommentiert Cersei, während sie gemächlich umhergeht, "vermutlich ausgelöst durch eine Verkettung ungünstiger Ereignisse." Sie bleibt stehen. "Es ist offensichtlich, dass Seefeuer...", setzt Jaime an. "Wir kennen die exakte Ursache noch nicht, doch ich kann Dir versichern, dass dieser Vorfall von ausgesprochen kompetenten Personen untersucht wird." Skeptisch schaut Jaime seine Schwester an. "Was möchtest Du andeuten, Bruder?", fragt Cersei, der diese Blicke Jaimes nur allzu vertraut sind, schließlich. "Alle wissen, dass Du die Tyrells...", beginnt Jaime zu erläutern, bis er von Cersei jäh unterbrochen wird: "Willst Du allen Ernstes behaupten, ich hätte die Frau meines eigenen Sohnes ermordet?!", fragt sie mit bebender Stimme und geht einen Schritt auf Jaime zu, wobei sich in ihren Augen ein unheimlich anmutendes Funkeln abzeichnet und ihre Zähne leise knirschen. Jaime blickt kurz auf den Boden, ehe er erneut seine Schwester mit Trauer in den Augen anschaut. Er kommt auf Cersei zu und sie umarmen sich nach so langer Zeit. Sie legt ihre Hand an seinen Hinterkopf und streichelt ihn, bis plötzlich ein Ruf ertönt: "Euer Hoheit?", ruft ein Späher. "Die Eiserne Flotte ist soeben eingetroffen", sagt er, nachdem Cersei ihm ihre Aufmerksamkeit geschenkt hat. "Die Eiserne Flotte?", fragt Jaime mit einem gewissen Maß an Misstrauen. "Was willst Du denn von den Graufreuds?" Cersei streckt ihm die Hand entgegen: "Komm mit!", sagt sie. "Ich weiß nicht, ob Du bereits darüber in Kenntnis gesetzt wurdest, dass Daenerys Targaryen, die Tochter des Irren Königs, den Du hinterrücks erstochen hast, aktuell auf dem Weg hierher ist..." Jaime sieht sie nur an. "Ich halte es jedenfalls für sehr sinnvoll, dass wir uns gegen einen Angriff wappnen, wofür wir wiederum Verbündete brauchen... Und nun, empfangen wir unsere Gäste", bestimmt Cersei und beschleunigt ihren Gang.

Auf dem Weg gesellt sich Qyburn hinzu. "Auf ein Wort, Euer Gnaden?", fragt er, woraufhin Cersei stehen bleibt und sich ihm zuneigt. "Sämtliche Vorbereitungen sind nun abgeschlossen, Euer Hoheit. Jetzt müssen wir nur noch auf die Ankunft der Zielperson warten." Cersei lächelt und sagt zufrieden: "Ausgezeichnet! Wollt Ihr Euch uns anschließen? Wir schauen uns die womöglich größte Armada an, die Westeros je gesehen hat..." Qyburn nickt und begleitet sie zum Hafen.


Flocken von enormer Größe fallen auf die von Schnee bedeckte Landschaft jenseits der Mauer. In den bewaldeten Regionen versammeln sich zunehmend Wiedergänger, die aus verschiedenen Richtungen ankommen. Selbst wieder zum Leben erweckte Schneebären befinden sich unter den Untoten. Wiedergänger-Riesen transportieren massive, machtvolle Eisspeere, welche die Weißen Wanderer zuvor mithilfe des Wassers eines nahe gelegenen Sees und ihren magischen Fähigkeiten geformt haben. Immer zahlreicher werden die Untoten, deren Ankunft von einem chaotischen Schneesturm begleitet wird. Heulende Winde ziehen über das Land des ewigen Winters.


In einer Wärme spendenden Decke eingehüllt sitzt Jon Schnee am Kamin in der großen Halle von Winterfell. "Wir hatten Euch schon eine ganze Weile gesucht, Euer Hoheit", sagt Wyman Manderly freundlich, als er Jon einen Becher mit warmer Milch auf den Tisch stellt. "Erst als wir Euch nirgends fanden, wagten wir es, Eure Zimmertür aufzubrechen. Offensichtlich wart Ihr über einen längeren Zeitraum bewusstlos. Euer Kaminfeuer war längst erloschen und Ihr lagt in der Kälte." Mit enttäuschtem Blick starrt Jon vor sich auf den Tisch. "Das war Sansa", murmelt er vor sich hin. "Was meint Ihr, mein König?", fragt Wyman Manderly nach. "Sansa...", wiederholt sich Jon, "sie war bei mir gewesen, kurz bevor ich das Bewusstsein verlor. Sie muss mir etwas verabreicht haben." Wyman stockt kurz, ehe er spricht: "Da Ihr gerade Lady Sansa zur Sprache bringt... Dazu wollten wir Euch auch etwas mitteilen." Jon schaut zu Wyman Manderly empor, der vor ihm auf der anderen Seite des Tisches steht. "Sie ist auch verschwunden... Und mit ihr ein guter Teil der Ritter des Grünen Tals." Fassungslos schaut Jon durch die Fenster nach draußen. "Sie hat mir davon erzählt, dass sie die Zwillinge erobern wollte. Ich untersagte es, da wir alle Männer in und um Winterfell versammeln müssen, um auf den großen Krieg vorbereitet zu sein, der uns alle bald erwartet." "Sie hat sich also Eurer Anweisung widersetzt?", fragt Wyman Manderly nach. "Wie wollt Ihr nun vorgehen?" "Wir wissen ja nicht einmal, ob die Ritter des Grünen Tales erfolgreich waren... Ich muss mit ein paar Männern zu den Zwillingen reisen und mich vergewissern, was dort geschehen ist", sagt Jon, während er sich erhebt. "Aber Ihr könnt nicht einfach fortgehen", insistiert Wyman, "Ihr seid der König des Nordens, wir brauchen Euch hier!" Jon dreht sich zu Wyman um und fragt mit etwas Verzweiflung in der Stimme: "Und die Zwillinge? Sollen wir ignorieren, dass meine Schwester und die Ritter des Grünen Tales plötzlich verschwunden sind?!"

Wyman Manderly geht nachdenklich umher. "Wenn es Euch beliebt, reise ich selbst mit einigen meiner Soldaten zu den Zwillingen, um dort Erkundigungen einzuholen. Denn wenn Ihr den Norden verlasst, kann das sehr destabilisierend auf den Norden wirken. Immerhin seid Ihr erst vor Kurzem zum König des Nordens ernannt worden... ", warnt Wyman. "In Ordnung", sagt Jon nach kurzweiligem Zögern, "bitte nehmt Euch Eure besten Männer und reist am  besten noch heute los." "Jawohl, mein König", bestätigt Wyman verbeugend den Befehl und verlässt die große Halle, während Jon wieder Platz nimmt, um nachzudenken.

Auf einmal geht die Tür auf und Tormund steckt seinen Kopf durch den Spalt: "Na? Hast Du Dein Nickerchen beendet?", sagt er grinsend, wobei er die Tür schließt und sich Jon nähert. "Hör zu", sagt Jon ernst und steht wieder auf, "kurz bevor ich ohnmächtig wurde, erhielt ich einen Raben von der Schwarzen Festung. Edd erbittet dringend weitere Männer, weil sie die Patrouillen nicht mehr ordnungsgemäß durchführen können. Das wollte ich schon vor Tagen mit Dir besprechen, aber dazu kam es ja nicht mehr." "Und was schlägst Du vor?", hakt Tormund nach. "Die Patrouillen nördlich der Mauer sind aktuell wichtiger denn je, denn Du weißt genauso gut wie ich, dass die Weißen Wanderer immer weiter vordringen. Grenzer müssen sich einen Überblick über ihre Bewegungen verschaffen, doch die Voraussetzung dafür ist, dass es auf der Schwarzen Festung genügend fähige Männer gibt, die als Grenzer fungieren können. Das freie Volk kennt das Land jenseits der Mauer noch immer am besten. Daher würde ich Dich bitten..." "Leute aus meinem Volk zur Schwarzen Festung zu schicken", beendet Tormund Jons Satz. "Das wäre sehr hilfreich, ja", bestätigt Jon. "Ich werde mit meinen Leuten reden", brummt Tormund, "bestimmt können wir sogar alle 19 Festungen der Mauer bemannen, wenn sie hören, dass sie wieder ins Land der Toten zurückkehren können..." Jon lächelt ein wenig und Tormund verlässt den Raum.


In den Zwillingen bewohnt Sansa Stark inzwischen das ehemalige Zimmer Walder Freys, in welchem sie zur Abendstunde die Bücher der Finanzen des Hauses Frey studiert, als es kaum vernehmlich an der Tür klopft. "Herein!", ruft Sansa. Eine Zofe aus dem Hause Frey betritt den Raum. "Ich komme, um die Kerzen auszuwechseln, MyLady", sagt sie in manierlichem Ton. "Tu das", antwortet Sansa, ohne aufzusehen. Nachdem die Zofe die fast niedergebrannten Kerzen ausgetauscht und neu entflammt hat, fragt sie unsicher: "MyLady, dürfte ich Euch fragen, was nun aus den Anderen und mir wird?" Sansa atmet hörbar aus, hebt die Augenbrauen und schaut die Zofe an. "Sei gewiss, dass Du nichts zu befürchten hast. Das Personal hat sich nichts zuschulden kommen lassen." Auf dem Gesicht der Zofe wird ein leichtes Lächeln erkennbar. "Vielen Dank, MyLady", spricht sie und macht einen Knicks. Sansa widmet sich wieder ihrer Lektüre. Nach kurzer Zeit klopft es erneut an der Tür. Konzentriert legt Sansa ihre Stirn in Falten und ruft zum wiederholten Male: "Herein!" Die Tür öffnet sich und eine zweite Frey-Zofe tritt ein. "Ich bringe Euch Euer Abendessen. Ihr habt gebratenen Fisch verlangt", sagt die Zofe, geht auf Sansa zu und stellt ihr das Tablett mit der Speise vor das Buch. Irritiert sieht Sansa die Zofe an. "Stimmt etwas nicht?", fragt diese. "Du kannst das Tablett wieder mitnehmen...", erwähnt Sansa. Die Zofe stellt den Teller mit dem Fisch auf den Tisch und nimmt das Tablett an sich. "Ich hörte, Ihr seid die Lady von Winterfell?" "Ja, das stimmt", bestätigt Sansa. "Wer regiert jetzt im Norden, wenn Ihr hier seid?", möchte die Zofe wissen. Sansa schaut die Zofe von Neuem an: "Wieso möchtest Du das alles wissen? Du brauchst Dich nicht um Deine Arbeit hier zu sorgen. Niemand wird Dich in den Norden zwingen", versucht Sansa zu beruhigen. "Aber vielleicht möchte ich genau das. Etwas anderes sehen, woanders tätig werden", antwortet die Zofe kurz und knapp. "Organisatorische Themen dieser Art werde ich mit meinem Bruder besprechen, sobald ich zurück auf Winterfell bin. Und nun nähme ich gerne meine Mahlzeit zu mir ", entgegnet Sansa mit festem Ton und schaut der Zofe bei eindringlich in die Augen. Die Zofe flüstert etwas Unverständliches, dann deutet sie einen Knicks an und verlässt das Zimmer. Nach dem Essen begibt Lady Sansa sich zeitig ins Bett, da am nächsten Tag die Anreise der Frey-Männer in Erwartung steht.

Nach einer geruhsamen Nacht befindet sich Lady Sansa mit Yohn Rois, einigen Rittern des Grünen Tals und den Zofen in dem großen Saal, um gemeinsam mit ihnen die letzten Vorbereitungen für die bevorstehende Trauerfeier zu treffen. Die Tische werden dem Anlass entsprechend dekoriert und gedeckt, zusätzliche Kronleuchter werden angebracht und weitere Kerzenständer werden aufgestellt. Eine Truhe mit den Überresten Walder Freys steht inmitten des Raumes. Zufrieden sieht Sansa sich im Zimmer um. "Gut. Nun zieht euch um, denn die Freys werden alsbald hier eintreffen", sagt sie und alle verlassen den Saal.

Als die Frey-Männer nur wenig später den Zwillingsturm erreichen, werden sie von zwei Zofen in den Saal geleitet mit der Bitte, Platz zu nehmen. Auf der Erhebung an den Seiten haben sich Männr mit Musikinstrumenten positioniert, die eine traurige Melodie anstimmen, als alle Personen in dem Saal einen Sitzplatz gefunden haben. Die Unterhaltungen verstummen weitgehend und Lady Sansa erscheint im Raume, um auf sich auf dem ehemaligen Stuhl vo Walder Frey niederzusetzen. "Wer seid Ihr?", fragt einer der Frey-Männer verwirrt. "Und wo sind unsere ältesten Brüder?", fragt er weiter. Sansa hebt die Hand und bedeutet den musizierenden Männern, ihr Spielen zu unterbrechen. "Wir haben uns hier zusammengefunden, um Abschied zu nehmen vom Hause Frey und um dessen Nachlass zu verwalten", beginnt Sansa ihre Ansprache, worauf die anwesenden Freys sich untereinander irritiert anschauen. "Es erscheint mir geradezu poetisch, dass eine Herrschaft dort endet, wo sie einst begann, und dass nahezu die gleichen Umstände zum Untergang eines Hauses führen, die es dereinst emporhoben."

Nach diesen Worten legen die Männer auf den erhöhten Ebenen ihre Instrumente ab und fangen an, mit Armbrüsten auf die an den Tischen sitzenden Frey-Männer zu schießen. Schreien und Brüllen breiten sich im Saal aus, während die Freys von Bolzen durchbohrt werden. Manche Frey-Männer sind schlagartig tot, während andere noch schwer verwundet und Schutz unter den Tischen suchend am Boden entlang kriechen. Einem ragt ein Bolzen aus der Schulter, dem anderen wurde der Bolzen direkt in den Brustkorb geschossen. Blutspritzer beflecken die Teller und die güldenen Bestecke, die auf den Tischen liegen. Nachdem beinahe alle Frey-Männer verstorben sind, werden Elmar und Olyvar Frey in den Saal geführt. Sie erschrecken sehr, als sie des Massakers gewahr werden. Die zappelnden Flammen der Kerzen verleihen dem gesamten Ambiente unheimliche Nuancen. Starr vor Angst betrachten die beiden das Blutbad. "Dreht Euch um zu mir", befiehlt Lady Sansa. Die beiden fallen auf die Knie. "Bitte zeigt Gnade, MyLady, bitte tötet uns nicht." Mit kaltem Blick schaut Sansa auf die letzten verbliebenen Frey-Männer herunter: "Dies ist für die Rote Hochzeit, für die brutale Ermordung meiner Mutter, meines Bruders, dessen Frau und deren ungeborenes Kind", sagt Sansa trocken, "doch ich möchte Euch Euren letzten Wunsch erfüllen und mich gnädig erweisen." Sansa schaut nach rechts und nach links und plötzlich fliegen von beiden Seiten Bolzen direkt in den Hals von Elmar und Olyvar Frey. Beide fallen tot zu Boden. "Dieser schnelle Tod war zweifelsohne ei höheres Maß an Gnade, als Ihr verdient habt", schließt Lady Sansa. Sie richtet ihren Blick noch einmal auf die toten Freys und die mit Blut besudelten Tische und Kerzenständer. "Das ist das blutrote Begräbnis des Hauses Frey", fügt sie bestimmend hinzu.


Im Inneren der Königinnenkabine beobachten Missandei, Tyrion und Daenerys an einem Tisch sitzend mit Erleichterung, wie sich das Unwetter allmählich legt und die aufgewühlte See zu ihrer einstigen Ruhe zurückfindet. Der Himmel erhellt sich zunehmend, indem sich die finsteren Wolken fortwährend verflüchtigen.

Nach einigen Stunden des Ausharrens und des Weingenusses klopft es plötzlich an die Kabinentür. Sogleich erhebt sich Missandei, um zur Tür zu schreiten und Selbige zu öffnen. Unwillkürlich zeichnet sich ein kaum erkennbares Leuchten in ihren tiefbraunen Augen ab, als sie Grauer Wurm erblickt. Grauer Wurm erwidert ihren Blick und schaut etwas verlegen zu Boden, bevor er den Kopf wieder hebt und äußert: "Ich möchte Mitteilung machen, dass die dornische Küste in Sicht ist. Wir können in Kürze anlegen." Tyrion und Daenerys schauen aufmerksam zu Missandei und Grauer Wurm herüber, nachdem sie diese Neuigkeit vernommen haben. "Das ging schneller als erwartet", meint Daenerys, während sie sich erhebt und auf die Tür zugeht. "Wir sind gut vorangekommen, meine Königin", antwortet Grauer Wurm. "Informiere Ellaria Sand von unserer baldigen Ankunft in Dorne", wünscht Daenerys. Grauer Wurm verneigt sich und wendet sich ab.

Anschließend verlässt Daenerys ebenfalls ihre Kabine, um sich aufs Deck zu begeben. Interessiert schaut sie in Fahrtrichtung des Schiffes und kann am Horizont die unscharfen Konturen einer Küstenregion ausmachen. Auf einmal ertönt das sanftmütige Brüllen dreier Drachen, die nun über dem Königinnenschiff gleitend ihre Kreise ziehen. Daenerys schaut empor, wobei sie von der wärmenden Sonne geblendet wird. Sie schließt die Augen und inhaliert die frische Seeluft. Auch Tyrion ist mittlerweile an Deck gekommen und hat sich zur Drachenkönigin gesellt. Er mustert die dornische Küste mit kritischem Gesichtsausdruck, was Daenerys nicht entgeht. "Was umtreibt Euch?", fragt sie, ohne Tyrion anzusehen. Tyrion, der noch immer starren Blickes die Küstenlandschaft fixiert, erwidert: "Nach langer Zeit werde ich Myrcella wiedersehen. Ich hoffe, ihr ist es gut ergangen in Dorne." Daenerys schaut zu ihm herunter: "Myrcella?" "Die Prinzessin Myrcella. Sie ist meine Nichte", klärt Tyrion auf, "Ich schickte sie damals nach Dorne, um die Beziehung zwischen den Martells und der Königsfamilie zu stabilisieren..." "Das wird nun nicht mehr nötig sein", konstatiert Daenerys trocken, woraufhin Tyrion ihre Gesichtszüge zu deuten versucht. "Sie ist ein gutherziger Mensch, charakterlich so weit von ihrer Mutter entfernt wie kaum jemand, den ich kenne... Ihr soll kein Leid widerfahren, deshalb..." "Ich werde nicht die Königin der Asche sein", fällt Daenerys ihm ins Wort, "ich werde weder Städte noch unschuldige Menschen in Brand setzen. Ihr müsst Euch nicht um Eure Nichte sorgen..."

Unterdessen kommen auch Ellaria und Grauer Wurm hinzu. Schlendernd und mit einem Stück Trockenfleisch in der Hand nähert sich Ellaria Daenerys und Tyrion. "Ich kann es kaum erwarten, Sonnspeer zu erreichen", äußert Ellaria erwartungsvoll, "denn dann können wir jedenfalls mal wieder etwas Essbares genießen". Sie wirft das Trockenfleisch über Bord. "Sobald wir in Dorne ankommen sind, werde ich Euch zu dornischer Schlange mit feuriger Sauce und Zitronensüß einladen...", verspricht Ellaria, wobei sie Tyrion und Daenerys abwechselnd anschaut. Tyrion wirft ihr einen skeptischen Blick zu, ehe er sagt: "Dafür, dass Eure Tochter kürzlich inhaftiert wurde, seid Ihr sehr gelassen..." Ellarias Blick bleibt an Tyrion haften und sie spricht monoton: "Ich bin sicher, wir werden eine Einigung finden... Das liegt doch im Interesse von uns allen, oder nicht? Wenn wir uns gegenseitig bekriegen, werden wir unsere Allianz schwächen und scheitern... Und Ihr braucht Dorne..." "Wir brauchen insbesondere dornische Mitstreiter, die zur aufrichtigen Kooperation bereit sind und ihre Verbündeten nicht heimtückisch ermorden wollen", antwortet Tyrion mit einem Anflug von Ärger in der Stimme. "Das reicht", interveniert Daenerys, "haltet Euch an Eure eigenen Worte und stellt die Kämpfe gegeneinander ein. Ab sofort gibt es keine Anfeindungen mehr!", befiehlt sie. Schweigend nehmen sowohl Ellaria als auch Tyrion die Anweisung ihrer Königin entgegen.

Schon nach einer kurzen Weile läuft die kolossale Flotte von Daenerys Targaryen schließlich den Hafen von Sonnspeer ein, um dort anzulegen. Zufrieden schaut Daenerys über das dornische Land, während Dothraki und Unbefleckte damit beginnen, die Fracht von den Schiffen zu laden. Auch Ellaria, Nymeria und Obara sind bereits von Bord gegangen, um die Ankunft der Königin zu organisieren. Tyrion schaut ihr hinterher. So mancher Bewohner der Stadt findet sich am Hafen ein, um den Lauf der Ereignisse zu verfolgen und die Macht ausstrahlende Armada der Khaleesi zu begutachten. Um das Volk nicht in Unruhe zu versetzen, verweilen die drei Drachen vorerst auf einer unbewohnten Insel vor Dorne.

In Begleitung von Missandei, Tyrion und einer von Grauer Wurm angeführten Eskorte verlässt nun auch Daenerys das Schiff. Als alle vier den dornischen Boden betreten, äußert Tyrion: "Das Leben ist voller Ironien... Während Dorne das einzige Königreich war, das Aegon der Eroberer nicht einnehmen konnte, beginnt Euer Feldzug gerade im Land der Dornischen." Missandei und Grauer Wurm schweigen, während Daenerys ein wenig lächeln muss. Tyrion dreht sich noch einmal um und erkennt, wie nun auch Olenna Tyrell und Varys das Schiff verlassen. Inzwischen kehren Ellaria, Nymeria und Obara zu Daenerys zurück: "Für Euch wurden Gemächer im Alten Palast hergerichtet, in welchem Ihr residieren könnt, wenn es Euch beliebt. Auch für unsere Verbündeten findet sich dort genügend Raum", sagt Ellaria. Daenerys nickt und schaut ihre Gefolgschaft an. "Also gut, begeben wir uns dort hin", bestimmt sie.


Von steinigen Wegen...

Als Cersei im Beisammensein von Qyburn, Jaime und dem Berg die Schwarzwasserbucht erreicht, laufen gerade die letzten Schiffe von Euron Graufreuds gewaltiger Flotte in den Hafen ein. Ein kühler und stärker gewordener Wind lässt die großen Segel der Schiffe in  donnernden Geräuschen erklingen, wodurch das Rauschen der See immer wieder übertönt wird. Voll der Neugier und des Interesses betrachten Cersei, Qyburn und Jaime die Armada, wobei sich Cersei eines zufriedenen Lächelns nicht erwehren kann, während das Antlitz ihres Bruders so manchen Zweifel zum Ausdruck bringt. Jäh­lings fällt krachend die Planke der Stille - dem mit Abstand größten Schiff der Flotte - zu Boden. Euron Graufreud tritt hervor und ruft mit undefinierbarem Gesichtsausdruck: "Meine Königin!", als er die Planke hinabsteigt und auf Cersei zugeht. "Ich bringe Euch die versprochene Eiserne Flotte - und damit zugleich die Hoheit aller 14 Meere!", führt er mit einem süffisanten Grinsen aus. Gemächlichen Schrittes geht Cersei auf ihn zu und erwidert seinen Gruß mit einem aufgesetzten Lächeln: "Willkommen in der Hauptstadt, Lord Graufreud, und habt Dank dafür, dass Ihr so zeitig eingetroffen seid!" "Ich weiß eben, wofür es sich zu beeilen lohnt", entgegnet Euron mit einem Funkeln in den Augen, während Jaime ihn schweigend, aber kritisch mustert. "Es geht um ein ganzes Königreich...", spricht Cersei feststellend, "darum, unser aller Königreich vor dem sicheren Untergang zu bewahren. Darf ich Euch nun bitten, mir zu folgen?" Sie dreht sich auf dem Absatz um und bewegt sich in Richtung des Roten Bergfrieds. Euron folgt ihr mit einer kleinen Gruppe von Eisenmännern.

"Gewiss habt Ihr die Stadt für eine sehr lange Zeit nicht besucht...", sagt Cersei zu Euron, der nun neben ihr geht. "Dafür habe ich viele andere Orte und Regionen gesehen, und Dinge, von denen die meisten nicht einmal zu träumen wagen!", antwortet er si­byl­li­nisch. "Und Ihr habt all das überlebt. Dank dieser Erfahrungen dürfte es für Euch ein Leichtes sein, Euch der weißhaarigen Targaryen-Hure und ihren drei Drachen zu stellen, nehme ich an?", fragt Cersei und wirft ihm einen provokanten Blick zu. "Nichts würde mir mehr Freude bereiten, als für Euch in den Kampf zu ziehen!", kommentiert Euron selbstsicher, als plötzlich ein Kind auf Qyburn zukommt und ihm etwas zuflüstert. Cersei entgeht dies nicht und sie verlangsamt ihren Gang, wobei sie Qyburns Gesichtszüge beobachtet. Nachdem das Kind fortgerannt ist, kommt er auf Cersei zu. "Euer Gnaden, ließe es sich wohl einrichten, dass wir uns kurz unterhalten, bevor Ihr Euch dem Kriegsrat widmet?", fragt er mit gepflegter Höflichkeit. Cersei nickt und meint: "Kommt sofort in mein Gemach, sobald wir im Bergfried sind." "Sehr wohl, Euer Gnaden!", entgegnet Qyburn nachdenklich.


Ein Hornstoß durchdringt das dichte Schneegestöber auf der Schwarzen Festung und kurz darauf öffnet sich mit einem schrillen Ton das schwere Eisentor der Mauer. Sogleich eilt Edd Tollett in den Hof, um wiederkehrende Grenzer in Empfang zu nehmen. Doch nur der Grenzer Jaremy Rykker betritt völlig unterkühlt und erschöpft die Festung. Taumelnd fällt er dem Lordkommandanten in die Arme. "Was ist jenseits der Mauer geschehen?", fragt Edd besorgt, "und wo sind Deine beiden Brüder, die Dich auf Deiner Mission begleitet haben?" "Sie wurden getötet", gibt er keuchend zur Antwort, "genau wie unsere Pferde. Die Weißen Wanderer... sie sind auf dem Vormarsch. Sie kommen immer näher. Wenn Ihr mich fragt, sollten wir alle sofort hier weg und uns möglichst tief im Süden verstecken..."

"Komm erst mal herein...", sagt Edd und führt Jaremy stützend zum Kamin im Speisesaal, wo er ihm aus dm feuchten Mantel hilft und in eine Felldecke hüllt. "Wir können uns nicht im Süden verstecken, wir können nicht fliehen. Du hast die Weißen Wanderer und ihre Wiedergänger gesehen. Und ich habe sie gesehen. Wenn wir sie nicht so früh wie möglich stoppen, werden sie das gesamte Land überrennen und alles Lebendige zu untoten Soldaten machen! Es gibt kein Entrinnen, sondern nur den Kampf. Für diese Erkenntnis ist Jon gestorben..." Jaremy, der die Wärme des Kaminfeuers sichtlich genießt, schaut etwas reumütig Edd an. Dann senkt er sein Haupt und sagt mit gedämpfter Stimme: "Ich weiß es ja. Es ist nur... Es war so grauenvoll da draußen, mitzuerleben, wie meine beiden Brüder von diesen Kreaturen zerrissen wurden", beendet er seinen Satz, als sich de Tür öffnet und Tormund zum Vorschein kommt. "Hab gehört, dass Du Dich hier aufwärmst", meint Tormund und tritt ein. Edd erhebt sich erfreut, kommt auf Tormund zu und reicht ihm die Hand, was Tormund mit festem Griff erwidert. "Schön, Dich zu sehen", sagt Edd, "Jon hat meine Nachricht also schon erhalten." "Das hat er. Und da ich mich hier mittlerweile sehr gut auskenne, habe ich meine Leute hierher geführt. Sie warten draußen", berichtet Tormund. "Gut", sagt Edd kurz innehaltend, "das ist wirklich sehr gut, denn wir haben heute schon wieder fähige Grenzer verloren. Es scheint, als würden sich die Wanderer in den Wäldern nördlich der Mauer ansammeln. Doch zu welchem Zweck? Was wollen sie? Sie können die Mauer doch nicht passieren..."

Nachdenkend sieht Tormund sich im Raume um, ehe er anmerkt: "Es ist dunkler und verschneiter geworden, seit ich das letzte Mal hier war. Vielleicht haben sie einen Weg gefunden, die Mauer zu überwinden, und warten nur noch darauf, dass genügend Wiedergänger für einen Angriff zusammenkommen." "Leider kamen wir nicht genug heran, um etwas Bedeutsames zu erkennen", wirft Jaremy ein, als er sich Edd und Tormund nähert. "Ich werde mir morgen die besten Leute heraussuchen und noch einmal hinter die Mauer gehen. Wir kennen uns dort aus. Wir haben dort gelebt. Vielleicht finden wir mehr heraus", schlägt Tormund vor. Gemeinsam mit Tormund geht Edd in den Hof der Festung, um die Neuankömmlinge zu begrüßen.


Leise schließt Qyburn die Tür von Cerseis privatem Gemach, nachdem sich alle im Roten Bergfried eingefunden haben. "Nun?", kommt Cersei direkt zum Punkt und schaut Qyburn in die Augen. "Meine kleinen Vögel in Dorne haben mir soeben berichtet, dass Daenerys Targaryen mit ihrer Flotte und ihrer Armee in Sonnspeer angekommen ist, Euer Gnaden...", erstattet Qyburn Bericht. Stechenden Blickes sieht Cersei zu Qyburn, wobei sich der Zorn unheilvoll in ihren Augen widerspiegelt. Sie beißt ihre Zähne aufeinander und reißt im nächsten Augenblick Weingläser samt Krug vom hölzernen Tisch. "Euer Gnaden", interveniert Qyburn beschwichtigend und bewegt sich auf Cersei zu. "Ich habe mir schon auf dem Weg hierher Gedanken gemacht", meint er dann und berührt streichelnd Cerseis Arm, wobei er sie Ruhe ausstrahlend anschaut. "Es gibt noch eine Möglichkeit, das Spiel zu unseren Gunsten zu entscheiden...", raunt er ihr zu und flüstert ihr etwas ins Ohr.

Schon kurzer Zeit später trifft Königin Cersei an der Seite von Qyburn und dem Berg im Thronsaal ein, wo sie bereits von Euron, Jaime, einigen Eisenmännern und von Mitgliedern der Königsgarde erwartet wird. Elegant lässt sich Cersei auf dem Eisernen Throne nieder, während Qyburn und der Berg sich neben ihr positionieren. Mit einer Handbewegung bedeutet sie Euron, dass er nun vortreten dürfe, was dieser sogleich mit einer Verbeugung tut.

"Hört Euch an, was ich zu verkünden habe, MyLords", beginnt Cersei ihre Ansprache. "Ursprünglich war angedacht, das Targaryen-Mädchen auf Drachenstein oder an der Küste der Kronlanden mit einer exorbitanten Ladung von Seefeuer zu empfangen, um ihr Heer zu schwächen, bevor sie uns attackieren kann. Dazu wird es jedoch nicht kommen, zumindest nicht in der zu Beginn vorgesehenen Form. Deshalb möchte ich Euch, Lord Euron Graufreud, freundlichst bitten, einige Katapulte und einen Teil der Behälter mit Seefeuer auf Eure Schiffe zu verladen. Den anderen Teil werden Lennister-Soldaten unter der Aufsicht meines Bruders zurück nach Königsmund bringen. Sobald all dies Geschehen ist, werde ich Euch weitere Instruktionen erteilen. Vielen Dank für Eure Aufmerksamkeit!", schließt Cersei ihren Vortrag ab. Etwas irritiert sieht Jaime zu seiner Schwester, doch diese würdigt ihn nur eines starren, nichtssagenden Blickes. Euron hingegen verneigt sich bestätigend, fügt jedoch hinzu: "Ich helfe Euch gerne dabei, die Ordnung des Königreiches wieder herzustellen und zu wahren, solange Ihr nie vergesst, dass zu einem ordentlichen Königreich nicht nur eine Königin, sondern auch ein König gehört..." Cerseis Lippen zucken nur kurz, ehe Euron sich mit einem bizarr anmutenden Lächeln umdreht und sich entfernt.


Am späteren Abend hat sich Lady Sansa in ihr Schlafgemach begeben und steht nun schon eine ganze Weile grübelnd an einem der großen Bogenfenster. Sie schaut über den dunklen Fluss, auf dessen Oberfläche sich angesichts des abendlichen Windes tänzelnde Wellen bilden. Unerwartet klopft es an der Tür.

"Herein", ruft Sansa und dreht sich abwartend zur Tür um. Vier Soldaten des Grünen Tals treten ein und schubsen einen recht abgemagerten Mann in Lumpen und mit verdrecktem Gesicht vor sich her. "MyLady, bitte entschuldigt die späte Störung, doch dieser behauptet, Lord Edmure Tully zu sein! Wir fanden ihn kürzlich im hintersten Verlies. Beinahe hätten wir ihn gar nicht entdeckt, wenn er nicht durch das Klirren seiner Ketten auf sich aufmerksam gemacht hätte!", erläutert einer der Soldaten und deutet auf die massiven Hand- und Fußfesseln, welche den Mann seiner Bewegungsfreiheit weitgehend berauben. Sansa nimmt einen tieferen Atemzug, geht ein paar Schritte auf den Mann zu und kneift ihre Augen leicht zusammen. "Mehr Licht!", fordert sie, und einer der Soldaten ergreift eine auf dem Tisch platzierte Kerze, um das vom Schmutz gebräunte Antlitz des Mannes im Kerzenschein zu erhellen. Lady Sansa nähert sich erneut und blickt ihm direkt in die Augen. Dann weicht sie zurück und wendet sich an den Soldaten zu ihrer Linken: "Geleite Lord Rois hierher!" "Sehr wohl, MyLady!", bestätigt der angesprochene Soldat und verlässt zügig den Raum. "Die Familie meiner Mutter ist Lord Rois sehr bekannt", erklärt Sansa, "er wird ohne jeden Zweifel erkennen, ob es sich bei dieser Person tatsächlich um meinen Onkel handelt." Sie sieht den etwas verunsichert anmutenden und zitternden Mann mit direktem Blick an.

Schon kurze Zeit später kehrt der Soldat mit Yohn Rois zurück. "Ihr wünschtet mich zu sprechen, Lady Sansa?", fragt Lord Rois, der aufgrund der Beeilung noch etwas außer Atem ist. "Vielen Dank, dass Ihr so geschwind erschienen seid", bedankt sich Sansa und nickt in Richtung des Gefangenen, der wie benommen die Wand anstarrt. "Könnt Ihr bestätigen, dass diese Person mein Onkel Edmure Tully ist?", fragt sie Yohn Rois, welcher den Mann daraufhin zu mustern beginnt. "Er trägt nicht die seinem Stand entsprechenden Kleider und er erweckt auch ansonsten nicht den Anschein, viel mit der Familie Tully gemeinsam zu haben, doch ich kann Euch versichern, dass dieser Mann wahrhaftig Euer Onkel ist!", spricht Lord Rois schließlich mit sicherer Stimme. "Habt Dank, Lord Rois", äußert Sansa, ehe sie noch einmal einen Blick auf Edmures Fesseln wirft. "Man soll ihn seiner Fesseln entledigen. Danach möchte ich gerne privat mit ihm sprechen", bestimmt sie. Die Soldaten befreien ihn sogleich von seinen Fesseln und verlassen gemeinsam mit Yohn Rois, der sich zum Abschied verneigt, den Raum.

Lady Sansa deutet mit ihrer Hand auf einen freien Platz am Tisch, der nahe dem Kamin steht, woraufhin Edmure sich langsam hinsetzt. Sansa füllt etwas Wein in einen Becher und stellt ihn vor Edmure auf den Tisch. Anschließend nimmt auch sie Platz. "Es ist mir eine Freude, Dich kennenzulernen, Onkel", beginnt Sansa die Konversation, "wenngleich positivere Umstände zweifelsohne wünschenswert gewesen wären." Mit gesenktem Haupt lauscht Edmure ihren Worten, ehe er vorsichtig zu Sansa aufblickt. Sie lächelt ihn an.  "Du brauchst Dich nicht mehr zu fürchten", versucht sie ihn zu beruhigen, "wir haben die Freys bezwungen und sie ihrer gerechten Strafe zugeführt. Du bist jetzt der rechtmäßige Lord der Flusslande! Doch wir haben noch mehr Feinde!", konstatiert Sansa und erhebt sich, wobei Edmure sie mit seinen Augen verfolgt. "Es waren nicht die inkompetenten und feigen Freys allein, die die Rote Hochzeit organisierten. Dazu wären sie ohne Hilfe niemals imstande gewesen! Die Lannisters leisteten einen enormen Beitrag dazu, dass die Rote Hochzeit inszeniert werden konnte."

Sie schaut Edmure an, und als keine Reaktion erfolgt, fährt sie fort: "Deshalb ist es unsere moralische Pflicht, unsere Aufmerksamkeit jetzt, nachdem das Haus Frey zur Rechenschaft gezogen wurde, auf die Lannisters zu richten und ihre Schulden zu begleichen..." In Edmures Gesicht zeichnet sich ein immer stärker zum Ausdruck kommendes Entsetzen ab. "Aber wie sollten wir..." stottert er leise. "Ich bin die Lady von Winterfell und Du bist der Lord der Flusslande. Ich habe außerdem die Ritter des Grünen Tales an unserer Seite! Wenn wir uns verbünden, können wir die Lannisters entmachten und wieder für Frieden im Reiche sorgen! Wir können es gemeinsam, nur gemeinsam!", betont Sansa und schaut ihn nachdrücklich an. Edmure starrt an Sansa vorbei ins Leere. "Wieso sagst Du nichts?", fragt sie ungeduldig, "ich habe Dir Deine Heimat, Deine Freiheit und", sie hält kurz inne, "Deine Würde wiedergegeben. Doch all dies wirst Du langfristig nur behalten können, wenn wir die Lannisters stürzen!", sagt sie in einem etwas lauteren Tonfall, während sie beide Hände vor Edmure auf den Tisch legt und sich abstützt. Er schaut zu Sansa hinauf. "Ich möchte ja helfen, aber wie könnte ich?", fragt er noch immer voll der Unsicherheit. "Fordere die Unterstützung der Tully-Loyalisten ein, mit denen der Schwarzfisch die Burg Schnellwasser zurückeroberte. Sie sollen sich uns im Kampfe das Böse, das im Süden lauert, anschließen!", antwortet Sansa. "Und was wirst Du indessen tun?", fragt Edmure. "Ich reise in den Norden, um Jon, der seit der gewonnenen Schlacht der Bastarde der König des Nordens ist, davon zu berichten, dass die Feinde in den Flusslande besiegt sind und dass wir mit den Flusslanden einen fähigen Verbündeten gewonnen haben. Außerdem habe ich einen Befreiungskrieg gegen die Lannisters zu planen", erwidert sie mit einem siegessicheren Lächeln auf den Lippen.

Plötzlich ist einmalig ein heulender Luftzug auf dem Gang vor der Tür zu vernehmen. Sansa horcht auf, geht zur Tür und lauscht von innen, bevor sie öffnet und hinausschaut. Sie blickt in beide Richtungen, doch sie kann nichts Auffälliges ausmachen, sodass sie wieder ins Zimmer zurückgeht und die Tür verschließt. Sie bewegt sich auf Edmure zu und meint: "Zur Sicherheit werde ich veranlassen, dass ein Teil der Tal-Soldaten hier verweilt, bis ich zurückkehre."


Als Tormund im Beisammensein von sechs erfahrenen Wildlingen den Tunnel jenseits der Mauer verlässt, um die Expedition in den hohen Norden anzutreten, eröffnet sich ihm eine schneebedeckte Landschaft samt einem schier undurchsichtigen Flockengewirbel. Sofort verfangen sich winzige Eiskristalle in seinem rötlichen Bart und ein eiskalter Wind lässt ihn selbst unter seiner dicken Fellkleidung erzittern. Er dreht sich zu seinen Begleitern um und atmet noch einmal tief durch, bis sich die Gruppe schließlich schweren Schrittes auf den Weg begibt.

"Wir müssen zuerst immer weiter geradeaus gehen", ruft Tormund den anderen zu, während er sein Gesicht mithilfe seiner Arme vor dem heftigen Schneefall schützt. "Weiter nach vorne, zum Wald!", ruft er mit lauterer Stimme, um besser verstanden zu werden. Er dreht sich kurz zu den anderen um. "Bleibt einfach dicht hinter mir!", brüllt er noch und setzt anschließend seinen Gang fort. Die peitschenden Winde fegen über das Land und zwingen die Wildlinge immer wieder zu einer Rast. Nach einer Weile des beschwerlichen Stapfens durch den tiefer werdenden Schnee zeichnet sich vor der Gruppe plötzlich ein größerer, dunkler Umriss ab, der zunächst nur schwach durch den Schneesturm hindurchschimmert. Tormund streckt seinen Arm aus und zeigt auf das mysteriöse Gebilde. "Seht Ihr das?", wendet er sich fragend an die anderen, die nur aufmerksam nicken. "Das muss ein großer Baum sein, der uns vielleicht etwas Deckung geben kann", stellt Tormund fest. Als sie sich dem Objekt nähern, bleibt Tormund abrupt stehen. "Das ist ein Wehrholzbaum", meint er. "So ein Glück", bemerkt einer der Wildlinge, "dann werden wir dort garantiert Schutz finden. Die Götter sind mit uns."

Entschlossen bewegt sich die Gruppe auf den Baum zu, als auf einmal ein Geräusch aus der Nähe des Wehrholzbaumes zu vernehmen ist. "Vorsicht", mahnt Tormund, zieht sein Schwert und nähert sich schleichend dem Ziel. Als er zum Schlag ausholt, ertönt eine aufgebrachte Stimme: "Nein, nicht!", woraufhin Tormund innehält und die hinter dem Baum sitzende Person zu mustern versucht. "Wer bist Du? Und was tust Du hier?", fragt er überrascht, noch immer seine Waffe in der Hand haltend. "Ich bin auf dem Weg zur Schwarzen Festung", gibt der schon teilweise mit Schnee bedeckte Junge zur Antwort. "Bist Du ein Bruder der Nachtwache? Jemand von den vermissten Grenzern?", fragt Tormund mit erhöhter Aufmerksamkeit. "Nein, aber ich muss dringend mit meinem Bruder sprechen, der bei der Nachtwache ist! Es ist wirklich sehr wichtig!", sagt der Unbekannte nachdrücklich. "Sag mir, wer Dein Bruder ist, dann werden wir Dir helfen, sobald unsere Mission abgeschlossen ist", entgegnet Tormund. "Mein Bruder heißt Jon!", erwidert die Person. Tormund, der inzwischen sein Schwert zurück in die Scheide gesteckt hat, sieht den Unbekannten erneut mit überraschtem Blick an: "Jon? Der ist nicht mehr bei der Nachtwache. Er wurde vor Kurzem von den nördlichen Lords zum König des Nordens ausgerufen!", erklärt er.

"Entfernt Euch sofort von dem Jungen oder ich schlitze Eurem Freund den Hals auf!", droht eine weibliche Stimme hinter der Gruppe. "Schon in Ordnung, Meera!", beschwichtigt die Person, "sie kennen meinen Bruder Jon und können uns helfen, sicher zur Mauer zu gelangen." Skeptisch betrachtet Meera die Wildlinge und senkt schließlich ihr Messer. "Ich hoffe, das ist wahr, denn ich finde kaum noch Nahrung. Mit der zunehmenden Kälte haben sich die Hasen scheinbar zurückgezogen", erläutert sie. "Jon ist Dein Bruder?", merkt Tormund auf, "dann kannst Du nur der vermisste Bran Stark sein!" "Ja, das stimmt", antwortet Bran und schaut Tormund direkt an. "Was führt Euch jenseits der Mauer?", fragt er die Wildlinge interessiert. "Wir haben erschreckende Berichte über den Nachtkönig und seine Armee gehört, die sich in den umliegenden Wäldern aufhalten sollen. Was macht Ihr beide hier?", möchte Tormund wissen. "Das ist eine lange Geschichte. Doch dass die Weißen Wanderer mit ihren Wiedergängern ganz in der Nähe sind, trifft zu. Wir sind ihnen erst kürzlich entkommen! Wir wollten hier eine letzte Pause einlegen, da die Kälte uns geschwächt hat", legt Bran mit ruhiger Stimme dar. "Zwei unserer Männer können Euch beide zurück zur Mauer bringen. Edd ist der neue Lordkommandant und ein wirklich netter Typ. Er kennt Dich zwar nicht, aber meinen Männern wird er vertrauen und Euch beide passieren lassen", meint Tormund. "Das ist eine gute Idee", konstatiert Meera und beginnt damit, Bran startbereit zu machen.

"Ich erkenne unsere Heimat kaum wieder", murmelt ein Wildling , der sich während dessen etwas von den anderen entfernt hat und verwundert umherschaut, vor sich hin. Plötzlich wird er in der Ferne einer Bewegung gewahr und er sprintet auf die Gruppe zu. "Da hinten ist etwas, dort vor dem Wald!", schreit er während des Laufens. Tormund dreht sich um und muss erkennen, wie sich in langsamem Tempo ein Dutzend Gestalten nähert. Ohne zu zögern, zieht er sein Schwert und weist zwei der Wildlinge hektisch an: "Schnell, bringt den Jungen in Sicherheit, zurück zur Mauer! Ich halte sie auf!" Die beiden Wildlinge heben Bran empor und rennen in einem weiten Bogen, um die sich kontinuierlich nähernden Wesen. Als sie die Gruppe beinahe erreicht haben, erkennt Tormund die Wiedergänger und stürzt auf sie zu. Im Eifer des Kampfes zerschlägt er einen der Untoten mit einem festen Hieb. Auch die anderen Wildlinge kämpfen um ihr Leben, doch einer der Wildlinge wird von zwei Wiedergängern schließlich zu Boden gerissen und im Gesicht sowie am Hals zerrissen, sodass er schreiend und unter Qualen stirbt. Tormund möchte noch einschreiten, als ein weiterer Untoter plötzlich auf seinen Rücken springt und ihm in die Schulter beißt. Dank des dicken Fells seiner Kleidung spürt er jedoch nicht allzu viel und schafft es, den Wiedergänger von sich zu reißen und zu zerschlagen. Ein weiterer Wiedergänger attackiert indessen einen anderen Wildling, doch Meera trifft ihn mit einem kräftigen Speerwurf. Von der anderen Seite bewegt sich eine lose, auf dem Boden kriechende Hand auf den Wildling zu und versucht, ihn zu Fall zu bringen, doch Tormund tritt unnachgiebig auf die untote Hand und hindert sie so daran. Wieder greifen zwei Wiedergänger gleichzeitig an und werfen einen der Wildlinge in den Schnee, um ihm ein spitzes Holzstück direkt in den Kehlkopf zu stechen, sodass er gurgelnd am eigenen Blute erstickt. Meera hebt das Schwert von einem der getöteten Wildlinge auf und kommt auf die beiden Untoten zu. Es gelingt ihr, einen Wiedergänger zu zerschmettern, doch kurz darauf stößt sie einen schrillen Schrei aus. Schmerzerfüllt und stockende Laute von sich gebend blickt sie an sich hinunter und erkennt noch gerade die Speerspitze, die ihre Brust durchbohrt hat, bevor sie nach vorne auf die Knie und anschließend komplett in den Schnee fällt. Reglos liegt Meera am Boden, als Tormund voller Zorn den Wiedergänger in Stücke schlägt. Als schließlich auch der letzte anwesende Wiedergänger in seine Einzelteile zerlegt worden ist, ergreifen Tormund und die verbliebenen Wildlinge zügig die Flucht.


In Königsmund ist der Abend angebrochen und Cersei hat sich bereits in ihr Schlafgemach zurückgezogen, als es an ihre Tür klopft. "Komm herein", sagt sie, während sie ins Kaminfeuer starrt. Leise öffnet Jaime die Tür und tritt ein. "Du hast nach mir schicken lassen?", fragt er und geht auf sie zu. "Ja, das habe ich", antwortet Cersei und nimmt ihr Weinglas vom Tisch, um einen Schluck zu nehmen. "Ich habe angekündigt, dass wir die Targaryen-Schlampe besiegen können und genau das werden wir tun. Bereits in der Morgenfrühe werden Euron Graufreuds Männer die Katapulte mit dem Seefeuer zum Teil auf ihre Schiffe verladen und zum anderen Teil zurück nach Königsmund transportieren, während Du Dich auf den Weg nach Rosengarten begeben wirst..." "Um was zu tun?", fragt Jaime und hebt leicht eine Augenbraue.

Cersei dreht sich zu ihrem Bruder um und schaut ihm ins Gesicht: "Das hängt von den Umständen ab...", erklärt sie mit sibyllinischem Unterton. "Darf ich fragen, wovon?", fragt Jaime weiter. "Vom Verhalten unserer Feinde. Du wirst Dich darauf einstellen müssen. Doch angesichts Deines militärischen Talents und der Verlässlichkeit meiner Pläne habe ich keinerlei Zweifel, dass es Dir glorreich gelingen wird." Mit diesem Satz stellt Cersei ihr Weinglas wieder ab und schlendert mit düster-bezirzendem Blick auf Jaime zu, bis sie vor ihm steht und ihre Arme um ihn legt und ihn an sich drückt. "Ich werde Dir später detailliert beschreiben, was zu tun ist, doch zuvor..." Mit ihrem Munde schnappt sie sich Jaimes Unterlippe und beißt sanft hinein, um anschließend mit ihm in einem intensiven Kuss zu versinken. "... zuvor werden wir jedes Detail unseres Zusammenseins genießen", beendet sie ihren Satz, lässt sich aufs samtweiche Bett fallen und zieht Jaime zu sich. Durch den Luftstoß flackern die Flammen der Kerzen, die in großer Zahl in den güldenen Kerzenständern neben dem großen Bett aufgestellt sind.

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Zärtlich küsst er ihren Hals, ehe er sie am Oberkörper entkleidet, sodass ihre verhärteten Brustwarzen hervortreten. Küssend gleitet er über den Hals zum Brusthof, um schließlich zu ihrer rechten Brustwarze zu gelangen und diese züngelnd zu verwöhnen. Die linke Brust massiert er während dessen hingebungsvoll mit seiner linken Hand, bis er ihren Bauch erreicht und auch diesen mit Küssen übersät. Er öffnet ihr Kleid auch unten herum, sodass ihr Intimbereich in voller Pracht zum Vorschein kommt. Er legt seinen Kopf zwischen Cerseis Beine und fängt an, ihre Clitoris mit seinem Munde zu verwöhnen, indem er die Lippen darüber stülpt und leidenschaftlich daran saugt. Cersei legt ihre Beine um ihren Bruder, um ihn ganz festzuhalten und noch näher an sich zu ziehen, während sie die Augen schließt und stöhnende Laute der Erregung von sich gibt. Ungezügelt beginnt der Nektar ihrer Liebe zu fließen, welchen Jaime nun voll des Genusses in sich aufnimmt. Anschließend streift auch er seine Gewänder ab und gleitet mit seinem erigierten Glied schließlich in die Schatzhöhle seiner Schwester ein, um sich mit ihr in Lust, Liebe und Leidenschaft zu vereinen.


"Wollen wir beginnen?"         

Am frühen Morgen, als sich die goldene Sonne gerade über dem Horizont erhebt und die vom Meer ins Land wehenden Winde den Sand der Hafenlandschaft aufwirbeln, führen vier Unbefleckte die in Ketten gelegte Tyene Sand zum Speerturm, einer architektonischen Struktur des Alten Palastes, in welcher die Martells einstmals gefangen genommene Adelige unterbrachten. Mit einem süffisanten Lächeln auf den Lippen lässt Tyene ihren Blick über ihre Heimat gleiten. "Dies ist das Land, über das Mama jetzt herrscht", sagt sie feststellend zu den Unbefleckten, ohne sie eines Blickes zu würdigen. Als eine Reaktion ihrerseits ausbleibt, äußert sie weiter: "Schon bald werde ich wieder in Freiheit sein..." "Wir kennen nur eine Herrscherin. Und das ist unsere Königin", wirft ein Unbefleckter mit kraftvoller Stimme ein. Als Tyene sich zu ihm umdreht, fächelt ihr eine leichte Brise die Haare über das Gesicht.

Nachdem sie eine Weile durch die von Palmen umsäumten Straßen der Stadt geschritten sind, nähern sie sich schließlich dem Speerturm, dessen Höhe selbst die majestätischen Paläste Sonnspeers überragt.  Als sie das große Tor des Speersturms erreicht haben und einer der Unbefleckten sich anschickt, den massiven Schlüssel ins große Schloss zu stecken, betrachtet Tyene abwartend noch einmal die mit Statuen verzierten Grünanlagen, derer es in der Stadt viele gibt. Mit einem krachenden Laut öffnet sich das Tor des Turmes und die Unbefleckten geleiten Tyene ins Innere des Gebäudes. Sie führen Tyene über eine Vielzahl von Stufen auf eine höhere Etage, auf welcher sich das für sie vorgesehene Verlies befindet, und lassen sie schließlich dort zurück. "Ich bin bald wieder draußen!", ruft Tyene den zwei Unbefleckten zu, die sich nun vor ihrer Zellentür zum Zwecke des Wachehaltens positioniert haben.

Neben dem Speerturm stellt auch der Sonnenturm eine wichtige Komponente des Alten Palastes dar, bei welcher es sich um den ehemaligen Sitz der regierenden Martells handelte. Seit ihrer Ankunft residiert jedoch Daenerys Targaryen im Sonnenturm, in dem sie vor Kurzem eine Ratsversammlung einberufen hat. In einem großen Saal haben sich an einem vergoldeten Tisch, auf dem eine große Karte von Westeros ausgebreitet worden ist,  Daenerys Targaryen, Tyrion Lennister, Olenna Tyrell, Ellaria Sand, Theon und Asha Graufreud und Varys eingefunden. Auch Grauer Wurm ist anwesend, wobei er sich jedoch im Hintergrund aufhält. Ein Bediensteter serviert gerade Zitronensüß, als Daenerys sich erhebt und das Wort ergreift: "Nun, da wir den ersten Schritt erfolgreich gegangen sind, ist es an der Zeit, dass weitere Schritte folgen. Ich habe Lord Tyrion, der als meine Hand fungiert, dazu auserwählt, die militärischen Strategien auszuarbeiten und sie Euch in sämtlichen Details offenzulegen. Sein ganzes Leben hat er in Westeros verbracht. Darüber hinaus ist er mit der intriganten Gesellschaft in Königsmund sowie mit deren Art der Kriegsführung vertraut." Nach der Beendigung des Satzes sieht sie Tyrion an und nickt ihm zu, woraufhin Selbiger aufsteht und erklärt: "Zuerst möchte ich mich für das Vertrauen bedanken, das unsere Königin und Ihr alle mir entgegenbringt. Immerhin bin ich nur ein Lennister, und dazu noch nicht einmal ein besonders großer. Doch wie unsere Königin mir ihr Vertrauen schenkt, so vertraue ich darauf, dass sie diejenige ist, die unsere Welt in einen besseren und vor allem friedvolleren Ort verwandeln kann. Um das zu erreichen, haben wir uns zusammengeschlossen. Das dornische Heer, das die geografischen Vorteile Dornes am besten kennt und nutzen kann, wird in Dorne verbleiben, um es gegen potenzielle Aggressoren zu verteidigen. Ellaria Sand wird mit der Unterstützung von Obara und Nymeria Sand die dornische Armee befehligen. Die Unbefleckten und Dothraki werden mit unserer Königin und mir in die Weite reisen, wo die Tarly-Soldaten sich uns anschließen und mit uns weiter gen Königsmund ziehen sollen. Das Tyrell-Heer wird in Rosengarten verbleiben und die Burg sichern."

"Und was ist mit unserer Flotte?", unterbricht Asha Graufreud Tyrions Ausführungen. "Die Graufreud-Flotte wird vorerst in einem Hafen Dornes verweilen, bis wir Königsmund eingenommen haben. Im Anschluss werden wir Eure Schiffe mit weiteren Soldaten bemannen und die Eiseninseln zurückerobern, die Euer Onkel Euch gestohlen hat. Doch wir sollten nicht mehrere Schlachten zugleich führen. Wir lassen nur so viele Soldaten in Dorne und der Weite zurück, wie nötig sind, um diese Reiche vor feindlichen Angriffen zu bewahren. Aber ansonsten konzentrieren wir uns mit gebündelter Kraft auf jedes einzelne Ziel - nacheinander. Darin wird unsere Stärke liegen."

"In einem Hafen von Dorne? Nicht in Sonnspeer?", fragt Theon nach. "Nein", antwortet Tyron, "die Schiffe werden ins dornische Meer gefahren, und zwar an die Küste des Hauses Isenwald, um sie vor eventuellen Übergriffen Eures Onkels zu schützen." Theon deutet ein zustimmendes Nicken an.

"Und wann genau werden wir mit der Umsetzung dieses Planes beginnen?", erkundigt sich Olenna Tyrell. "In drei Tagen werden wir aufbrechen", entgegnet Tyrion. "Und wie wollt Ihr verfahren, wenn Ihr mit Eurer Armee vor den Toren Königsmunds steht?", hakt Olenna skeptisch nach. "Wir werden mit den Unbefleckten, den Dothraki und den drei Drachen in Erscheinung treten, sodass selbst Cersei erkennen muss, dass sie keinerlei Chance gegen diese enorme Übermacht hat, zumal ich mir sicher bin, dass Jaime zusätzlich einen entsprechenden Einfluss auf sie nehmen wird, sobald er die aussichtslose Lage erkennt." "Nun gut", antwortet Olenna, während sie sich zurücklehnt, "dann wünsche ich Euch bei diesem Unterfangen viel Erfolg. Ich werde während dessen jedoch in Rosengarten verharren, denn für die aktive Beteiligung an Spielen dieser Art bin ich inzwischen doch etwas zu alt..."

Tyrion nickt ihr dezent zu und schaut anschließend in die Runde. "Gibt es ansonsten noch Fragen oder Einwände?", fragt er. Als alle schweigen, nimmt er wieder Platz und Daenerys erhebt sich von Neuem. "Gut", meint sie, "somit haben wir die wichtigsten Punkte geklärt." Ihr Blick schweift durch eines der gebogenen Fenster ins Freie und fällt dort auf einen imposanten Springbrunnen der Wassergärten. "Ich schlage vor, dass Ihr die nächsten beiden Tage nutzt, um in diesem paradiesischen Reich etwas Erholung zu finden. Wer weiß, wann sich die nächste Gelegenheit dafür bietet." Sie schaut die Anwesenden an und löst die Versammlung mit einer entsprechenden Geste auf.

Nachdem alle ihren Platz verlassen haben, nimmt Tyrion Ellaria Sand zur Seite und fragt: "Obwohl ich nun schon eine Weile hier bin, habe ich Myrcella noch immer nicht gesehen. Wo ist sie?" "Sie ist nicht hier," erwidert Ellaria mit einem abfälligen Blick, "vielleicht befindet sie sich ja bereits an einem 'besseren Ort voller Frieden'!", meint sie noch und ist im Begriff zu gehen. Tyrion packt sie am Unterarm und zieht sie etwas zurück, während er sie eindringlich und mit einem Hauch von Angst in den Augen ansieht. "Was meint Ihr damit?", fragt er nun nachdrücklicher. Ellaria dreht sich zu ihm um und spricht in einem giftig zischenden Ton: "Mein Geliebter ist für Euch in den Tod gegangen...", beginnt sie, doch Tyrion fällt ihr sogleich ins Wort: "Er hat sich freiwillig für den Zweikampf entschieden. Glaubt Ihr vielleicht, ich wollte seinen Tod? Denkt Ihr nicht, ich wäre auch glücklicher gewesen, wenn Oberyn den abscheulichen Berg besiegt hätte, sodass ich auch ganz nebenbei und ohne heimliche Flucht der Todeszelle hätte entrinnen können? ... Und außerdem beantwortet all das meine Frage nicht, die ich Euch gestellt habe..." "Sie ist tot", offenbart Ellaria schließlich kurz und knapp, während sie sich von Tyrion losreißt und zügigen Schrittes davon geht. Paralysiert starrt Tyrion ins Leere, wobei er aufgrund eines Gefühls der Benommenheit leicht zu schwanken beginnt. Unweigerlich bilden sich Tränen in seinen Augen, die ganz langsam über seine Wangen rinnen und zu Boden fallen. Daenerys, die sich neben Tyrion als Einzige noch im Raume befindet und sich über die Landkarte gebeugt hat, bemerkt schließlich das seltsame Verhalten Tyrions und kommt auf ihn zu. "Lord Tyrion?", fragt sie und dreht ihn mit einer Bewegung zu sich um, wobei sie in seine feuchten Augen blickt. "Was habt Ihr? Was ist geschehen?", möchte sie besorgt wissen. "Ich fürchte", sagt Tyrion um Fassung ringend, "dass die Sandschlangen meine kleine Nichte ermordeten, wie sie es auch bei mir versuchten..." Daenerys Augen weiten sich vor Entsetzen, als sie diese Aussage vernimmt.


In Königsmund steht Cersei am Vormittag auf dem Balkon ihres Turmfensters und schaut mit Zufriedenheit ausstrahlender Miene in Richtung des Hafens, der gerade von Euron Graufreuds Armada verlassen wird. "Euer Gnaden, entschuldigt bitte die Störung, aber Euer Bruder ersucht um eine Unterredung", ertönt plötzlich die höfliche Stimme der Zofe Bernadette hinter Cersei. "Führe ihn herein!", weist sie ihre Dienerin an. Als Jaime schließlich den Balkon erreicht, stellt er sich neben seine Zwillingsschwester und schaut sie an. "Du siehst heiter aus", konstatiert er. "Euron Graufreud ist bereits fortgesegelt, um seinen Auftrag zu erfüllen. Und auch Du trägst bereits Deine Rüstung und bist zum Aufbruch bereit. Habe ich da nicht allen Grund zur Zufriedenheit?", fragt sie Jaime, während sie ins Innere ihres Gemaches geht, um sich etwas Wein einzugießen. "Außerdem haben wir kaum Verluste zu befürchten... solange Du nicht versagst...", meint Cersei weiter und schaut Jaime dabei mit kühlem Blick ins Gesicht. "Ich werde nicht versagen", verspricht Jaime, "oder glaubst Du, ich möchte nie mehr in den Genuss kommen, der mir gestern Nacht zuteil wurde?" Cersei deutet ein Lächeln an, geht auf ihn zu und legt ihre Hände in seine, ehe sie mit gedämpfter Stimme meint: "Dann sorge dafür, dass alles so ablaufen wird, wie wir es besprochen haben." Jaime und Cersei versinken noch einmal in einem tiefen und innigen Kuss, bevor er sich von ihr verabschiedet und den Raum verlässt.

Vor den Stadtmauern hat Jaime eine hohe Anzahl von Lennister-Soldaten versammelt, mit denen er schließlich auf dem Goldweg in Richtung Weite aufbricht.


"Seid Ihr sicher?", wendet sich Daenerys nachfragend an Tyrion, als sie gemeinsam mit ihm an jenem Tisch Platz nimmt, auf dem noch immer die Karte von Westeros ausgebreitet ist. "Ellaria Sand hat es mir soeben offenbart", antwortet Tyrion mit gebrochener Stimme, "und ich bin derjenige, der die fabelhafte Idee hatte, Myrcella überhaupt erst in die Schlangengrube zu befördern", ergänzt er mit einem verzweifelten Tonfall, während er niedergeschlagen und mit feuchten Augen zu Daenerys emporblickt.

Nach kurzer Überlegung meint diese voller Entschlossenheit: "Wir werden die betreffenden Sandschlangen für ihre Verbrechen anklagen und ein gerechtes Urteil fällen, sobald der Krieg gewonnen ist und ich auf dem Eisernen Thron sitze. Darauf habt Ihr mein Wort." Mit ernstem Gesichtsausdruck erwidert sie Tyrions Blick. Zögerlich nimmt Tyrion eine aufrechte Sitzhaltung ein und äußert schließlich: "Es fällt mir schwer, Personen als Verbündete zu betrachten, die nicht nur einen Mordversuch auf mich verübten, sondern darüber hinaus noch meine unschuldige Nichte ermordeten... Doch ich muss Euch zustimmen, dass ein gerechtes Urteil nur dann gefällt werden kann, wenn Ihr den Eisernen Thron erklommen habt. Eine Destabilisierung unserer militärischen Allianz mit Dorne könnte das Erreichen dieses Ziels erschweren. Deshalb spreche auch ich mich dafür aus, vorerst nicht gegen die Sandschlangen vorzugehen, zumal diese keine Bedrohung mehr für mich darstellen, da sie in Dorne verweilen, während ich mit Euch in die Weite reise." Mit einem Anflug der Erleichterung ob der Bewahrung ihres Bündnisses nimmt Daenerys die Aussage Tyrions nickend zur Kenntnis. Nach einem Moment der Stille fügt Tyrion hinzu: "Dieser Logik folgend müssen wir demnach auch Tyene Sand aus ihrer Gefangenschaft entlassen..." Mit fragendem Blick schaut Daenerys zu Tyrion. "Vielleicht kämpfen die übrigen Sandschlangen sogar besser, wenn sie ihr Familienmitglied in Freiheit wissen", kommentiert Tyrion mit verbitterter Witzigkeit, während er einen Schluck vom Zitronensüß nimmt.

"Wenn ich mich nicht irre, habt Ihr kürzlich den Vorschlag unterbreitet, dass wir unsere letzten verbleibenden Tage in Dorne genießen sollen... Wenn Ihr keine Einwände habt, zöge ich mich gern mit einer erheiternden Gesellschaft, bestehend aus ein paar Krügen dornischen Weins, in mein Gemach zurück", sagt Tyrion, während er sich erhebt. "Gebt Acht auf Euch", verlangt Daenerys, als sie ihn entlässt, "ich brauche Euch bald mit vollem Einsatz!" Tyrion bedankt sich verbeugend und verlässt den Raum.


Es ist ein milder Vormittag, als die Ritter des Grünen Tales im Hof der Zwillinge sämtliche Vorbereitungen für die Abreise in den Norden treffen. Lady Sansa sitzt unterdessen noch in der großen Halle, während eine Bedienstete ihr eine Pilzcremesuppe mit Schnecken serviert. "Einen guten Appetit wünsche ich Euch, MyLady", sagt die Zofe, woraufhin Sansa sich bedankt und zu speisen beginnt. "Habt Ihr Euch schon überlegt, ob ich Euch in den Norden begleiten kann? Lord Edmure habe ich bereits gefragt, er kann mich entbehren", spricht die Zofe weiter. Etwas irritiert schaut Sansa die Zofe an und meint: "Meinetwegen. Finde Dich in einer Stunde im Hof ein, wir reisen in Bälde ab." "Vielen Dank, MyLady", entgegnet die Bedienstete, wobei sie einen Knicks macht und sich anschließend entfernt.

Kurze Zeit später öffnet Yohn Rois das Tor der großen Halle und betritt Selbige. "Ich möchte Euch Bescheid geben, dass wir unsere Vorbereitungen abgeschlossen haben und aufbrechen können, sobald Ihr bereit seid, Lady Sansa", erklärt er freundlich. Noch bevor Sansa antworten kann, kommt Edmure Tully hinzu und ergreift sofort das Wort: "Es tut mir leid, Sansa, ich dachte schon, ich hätte Dich verpasst, ich wollte mich unbedingt noch persönlich und in Ruhe von Dir verabschieden... Und ich konnte Dir auch noch gar nicht für Deine Bemühungen und die Zurückeroberung der Flusslande danken." Er senkt sein Haupt. "Schon in Ordnung, Onkel", antwortet Sansa mit zugewandter Stimme, wobei sie ihn anlächelt. "Wir sind eine Familie und werden stets zusammenhalten", bemerkt sie noch und nickt ihm zu. Edmure Tully geht einen Schritt auf Sansa zu und deutet eine Umarmung zum Abschied an, auf die Sansa eingeht. Danach verlässt Edmure den Saal und Sansa wendet sich Yohn Rois zu: "Vielen Dank für die Mitteilung. Nachdem ich meine Mahlzeit beendet habe, werde ich mich dem Klima entsprechend kleiden und mich im Anschluss zu Euch in den Hof gesellen." "Sehr gern, MyLady", entgegnet Yohn Rois mit einer Verbeugung und schließt hinter sich das Tor.

Als Lady Sansa nur eine Weile später den Hof erreicht, wird sie sogleich in ihre Kutsche geleitet, womit der Aufbruch gen Winterfell beginnt. Eine Vielzahl von Soldaten setzt sich samt ihren Pferden in Bewegung und verlässt die Zwillinge.


Die Mittagszeit ist angebrochen und Jaime und Bronn reiten noch immer nebeneinander den nach Rosengarten führenden Goldweg entlang, wobei sie von einem 8 000 Mann umfassenden Heer begleitet werden.

"Wenn ich das richtig verstanden habe, wollt Ihr Rosengarten angreifen", stellt Bronn fest. "An sich keine schlechte Idee, nachdem sich die Tyrells mit den Feinden verbündet haben. Doch ist Euch mal in den Sinn gekommen, dass das Targaryen-Mädchen zusammen mit ihren drei Drachen bereits Rosengarten erreicht haben könnte? Wann habt Ihr noch mal zuletzt von Euren dornischen Spionen gehört?", fragt er.

"Das ist in der Tat schon eine Weile her", gibt Jaime zur Antwort, wobei er kurz zu Bronn hinüberschaut. "Und genau aus diesem Grunde werden wir mit dem Großteil unserer Armee eine sichere Distanz einhalten, während ein kleinerer Teil unseres Heeres eine Attacke auf Rosengarten vortäuscht. Sollte Daenerys mit ihren Drachen zugegen sein, würde sie zweifelsohne eingreifen, um ihren neuen Verbündeten zu Hilfe zu kommen. Wenn jedoch eine Intervention ihrerseits ausbleibt, wissen wir, dass sie nicht in der Nähe ist, sodass wir mit der gesamten Armee zuschlagen können!"

Bronn hält kurz inne und gibt sich nachdenklich, ehe er meint: "Und was sieht Euer Plan vor, wenn sie anwesend ist?"

"In dem Falle werden wir uns vorerst wieder zurückziehen, während Euron Graufreud in Dorne ungehindert ihre gesamte Flotte vernichten kann." Erneut wirft Jaime dem Bronn einen Blick zu. "Ihr fürchtet Euch doch nicht etwa, oder?", fragt er Bronn provokativ. "Nein, ich fürchte mich nicht. Das bedeutet aber nicht, dass ich kein Problem damit habe, mein Leben einfach wegzuwerfen, indem es sich einer aussichtslosen Angelegenheit opfere...", entgegnet er. "Du brauchst Dir keinerlei Sorgen zu machen", sagt Jaime daraufhin in ruhigem Tonfall, "Cersei hat den Plan mit sorgfältiger Überlegung entworfen!" Skeptisch schaut Bronn Jaime an und hebt fragend die Augenbrauen: "Schwester, Königin, Liebhaberin... und jetzt ist sie auch noch Euer General, der Eure Schlachtpläne entwirft? Wie viele Schlachten hat sie noch mal geschlagen? Es müssen so viele gewesen sein, dass ich mich gerade an keine bestimmte erinnern kann..." Etwas amüsiert erwidert Jaime Bronns Blick. "Ach, bevor ich es vergesse: Wozu führen wir eigentlich zwei Ruderboote mit uns?", fragt Bronn noch, "war das auch die glorreiche Idee Eurer Schwester?" "Ja", erwidert Jaime, "diese Strategie hat sie aus der Schlacht in der Schwarzwasserbucht übernommen. Lasst Euch überraschen."

Im Schutze einiger Berge und nahe einem großen Fluss kommt der Lannister-Tross zum Stillstand. Mit einem Rammbock ausgestattet bewegen sich nun 1 000 Lannister-Soldaten rhythmisch auf die Burg Rosengarten zu, während Lannister-Späher das Geschehen aus sicherer Entfernung von einer erhöhten Ebene aus beobachten.

Als die Tyrell-Soldaten die Lannister-Armee nach einer Weile ausmachen können, bringen sie sich sogleich in Stellung und finden sich auf der Burgmauer ein, um den Angriff der Lannisters mit Pfeilen und Steinen abzuwehren. Krachend stoßen die Lannister-Soldaten mit dem Rammbock gegen das riesige Tor der Burg, wobei mancher Soldat erschlagen oder erschossen wird. Nachdem sich abzeichnet, dass weder Daenerys noch Drachen sich am Kampfe beteiligen werden, schreiten die übrigen 7 000 Lennister-Soldaten schnellen Schrittes auf die Burg zu. Einige Lennister-Soldaten versammeln sich unter dem umgedrehten Ruderboot und rennen auf den Rammbock zu. Vor Pfeilen und Steinen geschützt, stoßen die Lannister-Männer gegen das Tor von Rosengarten, bis es schließlich nachgibt und den Weg ins Innere der Burg freigibt.

Die Tyrell-Soldaten kämpfen nach ihren Möglichkeiten, um den Sitz der Tyrells zu halten, doch schon bald wird offenbar, dass die Tyrell-Armee dem Lannister-Heer weit unterlegen ist...


Es ist früher Abend, als das Training auf Winterfell gerade zu Ende geht. Die Schneeflocken rieseln langsam zu Boden und es weht nur ein schwacher Wind. Jon Schnee hat sich in sein privates Gemach zurückgezogen, um noch einmal darüber nachzudenken, wie sich die Nordmänner am besten formieren sollen, wenn der große Krieg beginnt. Nachdem er während des Grübelns eingehend das lodernde Kaminfeuer beobachtet hat, schweift sein Blick durch das Burgfenster über die verschneite Landschaft. Aufmerksam weiten sich seine Augen, als er am Horizont ein sich näherndes Heer erkennt. "Sansa"...", sagt er leise, bevor er zügig aus dem Zimmer schnellt, um in den Hof von Winterfell zu gelangen.

Nur kurze Zeit später erreicht Sansa gemeinsam mit Lord Rois und den Rittern vom Grünen Tale die Burg Winterfell. Sie entsteigt der Kutsche und sogleich kommt Jon festen Schrittes auf sie zugeeilt, wobei er sie mit finsterem Blick anschaut. Als Sansa seiner gewahr wird, sagt sie freundlich: "Hallo Jon!" - und deutet ein Lächeln an. "Ich muss mit Dir reden... ungestört...!", meint er mit aufgeregter Stimme, dreht sich um und geht auf die große Halle von Winterfell zu. "Ja, wieso nicht?", ruft die Angesprochene ihm hinterher und folgt ihm. Auch Yohn Rois schließt sich an.

Nachdem alle drei die große Halle betreten haben, schließt Yohn Rois hinter sich die Tür. Es herrscht ein Moment der Stille, der gelegentlich nur vom Knacken des Kaminholzes durchbrochen wird. Schließlich sagt Jon in enttäuschtem Ton: "Du hast mich vergiftet... Du bist meine Schwester - und hast mich vergiftet..." Nach kurzer Überlegung geht Sansa auf Jon zu und erwidert beschwichtigend: "Ich habe Dich doch nicht vergiftet, ich habe Dir nur so viel von der Nachtschatten-Essenz verabreicht, wie nötig war, um Dich zum Einschlafen zu bringen." Jon schaut sie mit kritischem Blick an. "Du hast den Norden geschwächt, indem Du mit einem Teil unserer Männer abgezogen bist. Wenn der Nachtkönig uns in dieser Zeit angegriffen hätte, wären nicht genügend Männer hier gewesen, um den Norden und Winterfell zu verteidigen!"

"Nun", beginnt Sansa überlegend, "Tatsache ist, dass ich den Norden vor Kurzem massiv gestärkt habe, indem ich nicht nur für ein Bündnis zwischen dem Norden und dem Grünen Tal sorgte, sondern darüber hinaus noch eine Allianz mit den Flusslanden erwirkt habe."

"Sansa, Du kannst nicht einfach hinter meinem Rücken mit meinen Männern abreisen und damit alle in Gefahr bringen, indem Du unsere Kräfte zerstreust!", wirft Jon ein.

"Entschuldigt bitte, dass ich mich einmische, doch die Ritter des Grünen Tales sind wegen Lady Sansa in den Norden gekommen, es sind folglich nicht Eure Männer, Euer Hoheit", stellt Yohn Rois klar. "Und ich kann Lady Sansas Idee, so viele Königreiche wie möglich gegen die Bedrohung aus dem Norden zu vereinen, nur unterstützen", erläutert er weiter.

Abwechselnd schaut Jon Lady Sansa und Yohn Rois an. "Die Wahrheit ist, dass ich Euch nicht mehr vertrauen kann. Weder Euch, Lord Rois, noch Dir, Sansa. Und gegenseitiges Vertrauen ist genau das, was einen stabilen Norden schaffen und zusammenhalten könnte... Wir können nicht gewinnen, wenn wir uns gegenseitig hintergehen oder täuschen."

"Und wie gedenkst Du nun zu verfahren?", möchte Lady Sansa wissen. "Ich möchte, dass Ihr mir einen heiligen Eid schwört," antwortet Jon. "Der Bruch dieses Eides würde entsprechend bestraft", führt Jon mit Nuancen der Trauer in seiner Stimme aus. Sansa tauscht Blicke mit Yohn Rois aus. "Seid Ihr bereit, den Eid zu schwören?", fragt Jon nun. Beide erklären sich schließlich bereit.

"Das war dann erst einmal alles", schließt Jon die Konversation, wonach sowohl Sansa als auch Yohn Rois die große Halle von Winterfell verlassen.

Nachdem Yohn Rois sich von Lady Sansa verabschiedet hat, schaut Selbige etwas bedrückt gen Himmel, wobei ihr eine Schneeflocke direkt auf die Stirn fällt. Sie wischt den Schnee fort und erblickt schließlich Petyr Baelish, der auf der anderen Seite des Hofes im Schatten der Burgmauer steht. Sansa sieht sich kurz um und geht anschließend zügig auf ihn zu.

Als sie beinahe voreinander stehen, meint Petyr Baelish erfreut: "Sansa! Es ist schön, Euch wohlbehalten wiederzusehen. Ich habe gehört, Eure Reise in die Flusslande war von Erfolg gekrönt." Er lächelt freundlich. "Bis ich in den Norden zurückgekehrt bin...", gibt Sansa ernüchtert zur Antwort. "Die Ritter des Grünen Tals, Lord Rois und ich mussten uns meinem Bruder noch einmal im Rahmen eines Eides verpflichten. Kommt mit in mein Gemach, ich denke, es gibt manches zu besprechen", sagt sie weiter.

In Sansas Gemach stellt eine Dienerin gerade einen Krug mit Wein und eine Schale mit Plätzchen auf den Tisch, als Sansa und Petyr Baelish Platz nehmen. Sansa bedeutet der Zofe, den Raum zu verlassen und wendet sich sodann Baelish zu, welcher anerkennend sagt: "Ihr habt allen Grund, stolz auf Euch zu sein. Ihr habt in sehr kurzer Zeit ein ganzes Königreich in den Schoß des Nordens geführt." "Wir sind mit den Flusslanden verbündet", erläutert Sansa, woraufhin Baelish dezent lächelt. Nach einer kurzen Pause spricht er: "Ich habe die Erfahrung gemacht, dass viele Menschen in ihrem Leben nicht vorankommen, weil sie sich auf dem positiven Gefühl, das ein Erfolgserlebnis beschert, ausruhen. Sie wagen keine neuen Schritte, weil sie sich fürchten, das angenehme Gefühl des Erfolgs durch eine kommende Niederlage wieder zu verlieren." Sansa merkt auf und schaut ihm direkt ins Gesicht. "Was wollt Ihr andeuten?", fragt sie knapp.

Baelish holt eine kleine Karte von Westeros aus seiner Tasche hervor und breitet sie auf dem Tisch aus. Seine Finger gleiten vom Grünen Tal über die Flusslande und er kommentiert: "Das Grüne Tal, die Flusslande... doch das ist bei Weitem noch nicht alles..." Er hält inne, doch seine Finger gleiten über die Flusslande auf Casterlystein. Sansas Augen weiten sich etwas und sie öffnet leicht den Mund. "Ich habe Euch doch eben kundgetan, dass ich meinem Bruder einen Eid zur Beteuerung meiner Loyalität geschworen habe. Niemals würde er gestatten, dass ich gegen Casterlystein zu Felde ziehe!", konstatiert Sansa mit einer etwas aufgebrachten Stimme. "Glaubt Ihr tatsächlich, er könnte seiner eigenen Schwester etwas antun?", fragt Baelish mit fragendem Gesichtsausdruck. Ohne direkt darauf zu antworten, meint Sansa: "Dass ich eine Allianz mit den Flusslanden in die Wege geleitet habe, hat Jon nicht im Geringsten interessiert. Niemals verziehe er mir, wenn ich entgegen seinem Willen ein weiteres Königreich attackiere! Das steht fest!"

Mit siegessicherem Blick lehnt sich Baelish zurück. "Es sei denn, es gibt einen triftigen Grund dafür...", raunt Baelish sibyllinisch.


Bereits im frühen Morgengrauen, als die Sterne noch nicht gänzlich verblasst sind, hat sich Daenerys mit ihrem Tross in Bewegung gesetzt, um noch am selben Tag die Weite zu erreichen. Beinahe 10 000 Unbefleckte und annähernd 100 000 Dothraki begleiten Königin Daenerys auf ihrem Weg durch das kühle Ambiente. Mit Tyrion, Varys und Olenna Tyrell teilt sie sich eine mit goldenen Drachen verzierte Kutsche.

Als die Kutsche über einen Stein fährt, erwacht Tyrion und schaut schlaftrunken aus dem Fenster ins Freie. Anschließend fällt sein Blick auf den Weinkrug, der in einer eisernen Halterung auf dem kleinen Tisch der Kutsche steht, und möchte ihn sogleich ergreifen. Daenerys bemerkt dies jedoch und hält den Krug fest. "Ihr habt gestern bereits für drei Tage getrunken", stellt sie in strengem Ton fest. Tyrion sieht sie mit verschlafenen Augen an und lässt vom Krug ab.

"Ich möchte Euch noch einmal dafür danken, Lady Olenna, dass Ihr uns in Eurer Burg Speisen und Trank zur Verfügung stellt", spricht Daenerys nun Olenna an. "Wenn es den Sturz von Cersei fördert, kenne ich keine Sparsamkeit, meine Liebe", gibt Olenna zur Antwort. Tyrion lauscht dem Dialog, bis ihn die Müdigkeit überkommt und er in einem tiefen Schlaf versinkt.


Nach der erfolgreich verlaufenden Schlacht gegen die Tyrell-Soldaten kehrt Jaime Lannister zum Roten Bergfried zurück, um Königin Cersei über den Ausgang des Kampfes zu unterrichten. Er klopft an die Tür von Cerseis Gemach, woraufhin ihm eine Zofe öffnet und ihn einlässt. Als Jaime den Raum betritt, bemerkt er, wie Cersei und Qyburn ein gemeinsames Gespräch führen. Nachdem Jaime sich den beiden genähert hat, bittet sie Qyburn freundlich hinaus, wonach dieser sich verneigend verabschiedet. Anschließend erhebt sich Cersei, um sich etwas Wein in ein Glas zu füllen. "Nun, was hast Du zu berichten, mein lieber Bruder?", fragt sie Jaime schließlich. "Wir haben alles so ausgeführt, wie Du es verlangt hast. Es gab keine unangenehmen Zwischenfälle." Cersei lächelt in sich hinein, ohne Jaime anzusehen und schenkt nun auch ihm etwas Wein ein. Mit seinem Glas in ihrer Wand schreitet sie auf Jaime zu und reicht es ihm. "Darauf sollten wir trinken!", meint sie dann, schaut ihm direkt in die Augen und lächelt. Jaime nimmt das Glas entgegen und stößt mit Cersei an. Beide trinken. Danach fragt Jaime: "Und wie geht es nun weiter, Cersei?" Cersei geht indessen auf den Balkon, wo ihr das Licht der Nachmittagssonne ins Gesicht fällt. "Vorerst gibt es für Dich nichts zu tun", meint sie, "alles Weitere wird sich schon bald von selbst ergeben..." Mit fragendem Gesichtsausdruck geht Jaime auf Cersei zu, die jedoch nur versonnen Blickes den Horizont fokussiert.


Die abendliche Sonne tränkt die Wiesen und Felder der weiten Landschaft in ihr goldenes Licht, als sich Daenerys mit ihrer Gefolgschaft der Burg Rosengarten nähert. Während sich Daenerys angeregt mit Olenna Tyrell über die Organisation der weiteren Schritte ihrer Invasion unterhält, kommt deren Kutsche abrupt zum Stillstand und Grauer Wurm stürmt auf Selbige zu. "Euer Hoheit", ruft er vollends außer Atem, woraufhin Daenerys etwas überrascht aus dem Fenster schaut. "Die Burg Rosengarten... Sie steht in Flammen!" Ein ungläubiges Entsetzen kommt in Daenerys' Augen zum Vorschein. Sie stößt die Tür der Kutsche auf und stürzt hinaus. Hoffend, dass es sich um einen Irrtum handelt, wirft sie einen Blick auf die in Brand gesetzte Burg, wobei sie leicht zu schwanken beginnt. Erbost dreht sie sich zu Grauer Wurm und den ebenfalls anwesenden Unbefleckten um und schreit: "Was ist hier geschehen?!" Ihre Augen funkeln vor Wut. Eingeschüchtert antwortet Grauer Wurm vorsichtig: "Ich weiß es leider nicht, Euer Hoheit." Noch bevor Daenerys reagieren kann, eilen Tyrion und Varys herbei. Auch Olenna ist inzwischen der Kutsche entstiegen. Ein kurzes Schweigen erfüllt die Atmosphäre, als sie die brennende Festung erkennen.

Schließlich geht Tyrion einen Schritt auf Daenerys zu und meint beschwichtigend gestikulierend: "Verglichen mit dem großen Ziel, das wir anstreben, ist das nur ein kleiner Rückschlag. Wir kehren einfach nach Dorne zurück und besorgen uns dort das nötige Proviant, um... "Nach Dorne zurückkehren?!", fährt Daenerys ihn wutentbrannt an. Dann schaut sie von Neuem zur zerstörten Burg hinüber. "Nein", meint sie trocken, "wir werden sofort weiterziehen und unsere Feinde vernichten." "Euer Hoheit, lasst mich...", möchte Tyrione Tyrion einwerfen, doch Daenerys sieht ihn eindringlich an und entgegnet: "Ich habe mich entschieden! Das war ein direkter Angriff auf unsere Verbündeten. Lady Olenna...", beendet Daenerys ihren unvollendeten Satz, als sie Olenna anschauen möchte, diese aber nicht mehr entdecken kann.

Besorgt schreitet Daenerys auf die Kutsche zu und findet in ihrem Inneren schließlich Olenna vor, die scheinbar gebrochen und mit Leere in den Augen die Wand der Kutsche anstarrt. Daenerys betritt die Kutsche und schließt die Tür hinter sich. Mit ernstem Gesichtsausdruck schaut sie Olenna Tyrell an. "Wir werden dieses Verbrechen mit Feuer und Blut vergelten. Wir werden die dafür Verantwortlichen entmachten und ihrer gerechten Strafe zuführen...", verspricht Daenerys, wobei sie ihre Hand auf Olennas Unterarm legt. "Erst meine gesamte Familie, nun meine Heimat...", beginnt Olenna zu sprechen und schaut Daenerys an. "Cersei ist wahrlich das abscheulichste Monster, das ich während meines langen Lebens gesehen habe; und ich habe sehr viel erlebt, Kriegszustände und so manchen blutrünstigen und grausamen Mann." Sie hält inne, bevor sie sagt: "Ich möchte Euch damit nur eines sagen: Nehmt Euch vor Cersei in Acht. Ihr denkt, das tätet Ihr ohnehin? Nun, das dachte ich auch einst. Doch nun weiß ich endgültig, dass ich sie noch immer unterschätzt habe. Wenn Ihr Vergeltung wollt, gibt es nur einen Weg: Ihr müsst Cersei an Grausamkeit übertreffen, um sie zu schlagen!" Daenerys' Augen beginnen zu leuchten und sie erwidert: "Ich danke Euch für Euren teuren Rat, Lady Olenna. Ihr sollt wissen, dass Ihr Euch jederzeit an mich wenden könnt, wenn Ihr etwas braucht." Olenna deutet ein Nicken an, woraufhin Daenerys die Kutsche wieder verlässt.

Tyrion, der sich gegen die Kutsche gelehnt hat, um die Konversation der beiden heimlich mit anzuhören, kommt auf Daenerys zu. Ehe er jedoch sein Wort an sie richten kann, befiehlt Daenerys Grauer Wurm, das Heer wieder in Bewegung zu setzen, um es gen Königsmund zu führen.  Grauer Wurm bestätigt die Instruktion und wendet sich der Armee zu, während Daenerys sich umdreht und zur Kutsche zurückgeht. Tyrion folgt ihr schnellen Schrittes und fragt kritisch: "Ihr seid doch noch daran interessiert, das Rad zu zerbrechen, das Aegon einst ins Dasein rief?" Daenerys bleibt stehen und antwortet, ohne sich umzudrehen: "Mein Zorn wird sich nicht gegen Unschuldige wenden, sondern all jene in voller Härte treffen, die sich als Feinde des Guten und der Gerechtigkeit erweisen!" Mit diesen Worten setzt sie ihren Gang fort und betritt schließlich die Kutsche. Tyrion sieht ihr mit leichter Trauer und Verunsicherung im Blick nach, bis auch er schließlich die Kutsche erreicht.

Im Anschluss tritt Daenerys samt ihrem Tross die Reise über den Goldweg nach Königsmund an.


Schon vor einigen Stunden hat sich die tiefe, schwarze Nacht über Winterfell gelegt und noch immer sitzt die Bedienstete, die Lady Sansa von den Flusslanden nach Winterfell begleitet hat, nachdenklich auf ihrem Bett. Nach kurzem Zögern steht sie auf, um eine Kerze zu entzünden, die auf dem kleinen Schrank vor ihrem Spiegel steht. Intensiv betrachtet sie ihr Spiegelbild. Langsam legt sie ihre Hände ans Gesicht, nur um sie gleich darauf wieder zu senken. Sie wirft einen Blick durch das Fenster und auf die in weißlichem Licht erstrahlenden Sterne am Himmelsgewölbe, doch direkt danach schaut sie wieder geradewegs in den Spiegel. Mit einem Anflug der Entschlossenheit zieht sie sich gekonnt das aufgesetzte Gesicht herunter, sodass Aryas reales Antlitz in Erscheinung tritt. "Nur noch einmal...", flüstert sie zu sich selbst, legt das Gesicht in ihre Tasche und versteckt diese unter dem Boden ihres Kleiderschrankes.

Leise wie eine Katze schleicht sie sich aus ihrer Kammer, um anschließend an den Mauern von Winterfell entlang zu huschen. Aus ihrer sicheren Umgebung heraus lässt sie ihren Blick über den Hof von Winterfell schweifen, über die so vertrauten Türme sowie über die Mauern, die Bran dereinst so lebhaft emporkletterte. Mit einem mulmigen Gefühl im Bauchraume wagt sich Arya schließlich in die Krypta von Winterfell, um zur Statue ihres Vaters zu gelangen. Als sie dort ankommt, beschaut sie die Statue und öffnet leicht den Mund, wobei ihre Lippen zu beben beginnen. Doch statt ein Wort an das Ehrenmal zu richten, werden ihre Augen feucht und sie stößt unwillkürlich ein Seufzen aus.

Sie schließt ihre Augen und absorbiert den gesamten Moment, mit all den turbulenten und ambivalenten Gefühlen, die in jenem Augenblick ihren Leib durchströmen. Anschließend öffnet sie ihre Augen und schaut noch einmal die Statue an, bevor sie sich wieder in ihre Kammer zurückzieht.


Wenige Tage nach seiner Wiederkunft sitzt Jaime zusammen mit Bronn auf dem Hof des Roten Bergfrieds und diskutiert mit ihm über die Belohnung, die Bronn aufgrund seiner Dienste einfordert. Doch bevor sie eine Einigung finden können, weht plötzlich ein kraftvoller Wind über die Region und Jaime erkennt in der Ferne, dass zwei aufgebrachte Späher auf ihn zusprinten. "Ser Jaime", schlägt einer der Späher mit Schrecken im Gesicht Alarm, "wir werden vermutlich in Kürze angegriffen. Eine riesige Armee nähert sich unserer Hauptstadt. Was sollen wir nur tun?" "Daenerys Targaryen...", zischt Jaime leise, ehe er fragt: "Wie viele sind es ungefähr?" "Ich bin mir nicht ganz sicher, aber wahrscheinlich sind es mehr als 100 000 Männer!", antwortet der Späher nervös. Mit besorgter Miene sieht Jaime Bronn an und meint nur kurz und knapp: "Ich muss mit Cersei reden!", woraufhin er ohne weiteren Kommentar in Richtung des Roten Bergfrieds rennt.

Cersei hat gerade auf dem Eisernen Thron Platz genommen und unterhält sich mit Qyburn über die aktuelle Lage, als plötzlich das Hallen zügiger Schritte auf dem Gang vor dem Thronsaal zu vernehmen ist. Mit einem Ruck wird das Tor des Saals aufgestoßen und Jaime betritt den Raum, auf den Eisernen Thron zueilend, was den Berg dazu veranlasst, einen Schritt nach vorne zu gehen. Jaime verringert sein Tempo und Cersei bedeutet dem Berg mit einer Geste, dass keine Gefahr bestehe, sodass er wieder seine vorherige Position einnimmt.

"Cersei", keucht Jaime atemlos, "Cersei, sie sind da... sie sind gekommen und stehen schon bald vor den Mauern der Stadt!", mit einem Hilfe suchenden Blick schaut er seiner Schwester direkt in die Augen.

Cersei mustert Jaime, wobei sich ein dezentes Lächeln auf ihren Lippen abzuzeichnen beginnt: "Von wem sprichst Du, Bruder?", fragt sie schließlich. "Daenerys Targaryen rückt mit einer gigantischen Armee auf unsere Stadt vor! Ich habe schon so manche Schlacht geschlagen und ich kann Dir versichern, dass wir gegen ein Heer dieser Größe keine Chance haben!"

Schweigend erwidert Cersei Jaimes Blick und neigt ihren Kopf leicht zur Seite, woraufhin Jaime seine Schwester skeptisch ansieht. "Cersei, Du hast verstanden, was ich Dir gerade mitteilen wollte?", fragt er nach.

"Du warst darum bemüht, mich darüber zu informieren, dass sich Gäste ankündigen. Ich schlage vor, dass wir sie nicht warten lassen... ", antwortet sie und wirft dem zu ihrer Rechten stehenden Qyburn einen undefinierbaren Blick zu. Während sie sich erhebt, fährt sie fort: "Für den Fall, dass unsere Gäste mit einem imposanten Feuerwerk Vorlieb nehmen, sollten wir uns entsprechend vorbereiten." Qyburn nickt und verlässt den Saal durch eine der Hintertüren. Irritiert folgt Jaimes Blick Qyburn, ehe er sich wieder Cersei zuwendet: "Was hast Du vor?", fragt er nachdrücklich. "Du hast selbst gesagt, dass wir sie mittels eines Kampfes nicht besiegen können. Deshalb wählen wir einen anderen Weg", antwortet sie beiläufig, während sie sich anschickt, den Thronsaal ebenfalls zu verlassen.


Vor den Stadtmauern haben sich inzwischen die Unbefleckten sowie die zu ihren Pferden sitzenden Dothraki versammelt. Weite Teile des gemeinen Volkes, denen die kreischenden Schlachtrufe der Dothraki nicht entgangen sind, laufen panisch durch die Gassen der Stadt, während andere Stadtbewohner sich in ihren Häusern verbarrikadiert haben.

Plötzlich zieht ein großer Schatten über die Häuser der Hauptstadt hinweg. Von Entsetzen gepackt fangen manche Stadtbewohner zu schreien an und werfen sich angsterfüllt in Ecken und Nischen.

Als Jaime ins Freie tritt und des machtvollen Drachen gewahr wird, schreckt er kurz zusammen, wonach er ihn mit Furcht in den Augen beobachtet. Gleich darauf bemerkt er das in der Stadt ausbrechende Chaos. Manche Menschen aus dem Volk sind aus lauter Verzweiflung zum Roten Bergfried gelaufen, hoffend, dass sie bei ihrer Königin Schutz finden. Doch als Jaime sich umschaut, muss er feststellen, dass Cersei nicht mehr an seiner Seite weilt.


Neue Hürden...

Vor den Mauern der Stadt peitscht rauschend ein tosender Wind über den Boden, wodurch zuweilen der Sand aufgewirbelt wird.

Die Unbefleckten haben sich in quadratischen Formationen angeordnet, während sich die riesige Dothraki-Horde direkt vor den Stadtmauern platziert hat. Drei über Daenerys' gewaltiger Armee kreisende Drachen verleihen dem Spektakel seinen Höhepunkt. Gemeinsam mit ihren Beratern verlässt Daenerys hinter ihrem Heer die Kutsche. Mit zufriedenem Gesichtsausdruck betrachtet sie ihre machtvolle Streitmacht, als Tyrion mit sorgenvollem Blick auf sie zukommt. "Euer Hoheit, wenn Ihr die Stadt angreift, werden Tausende sterben, dessen seid Ihr Euch doch bewusst? Bitte lasst mich mit Jaime sprechen. Ich weiß, dass mein Bruder über die nötige Vernunft verfügt und im Interesse des Volkes Verhandlungen zustimmen wird. Immerhin hat er sich schon einmal für die Bevölkerung von Königsmund eingesetzt, wie Euch ja bekannt ist!"

Daenerys sieht missbilligend auf Tyrion herab. "Gut. Ihr werdet mit Eurem Bruder sprechen. Jedoch werdet Ihr keine Verhandlungen führen, sondern meine kompromisslosen Bedingungen überbringen: Wenn Eure Schwester die Tore öffnet und niemand die Waffen gegen uns erhebt, wird auch niemand sterben. Andernfalls werde ich mir nehmen, wofür ich geboren wurde. Ich nehme es mir mit Feuer und Blut." Nachdem Daenerys diese Worte zu  Ende gesprochen hat, fixiert sie mit einem Leuchten in den Augen den Roten Bergfried, während eine Wolke sich vor die hoch am Himmel stehende Sonne schiebt und einen Schatten über die Landschaft zieht. Mit einem Hauch von Verzweiflung in den Augen sieht Tyrion noch immer zu Daenerys empor, bis er sich schließlich wortlos und etwas schwerfällig in Richtung der Stadtmauer bewegt. Varys und Olenna schauen ihm hinterher.


In Königsmund beobachtet Jaime unterdessen, wie einige Lannister-Soldaten große Katapulte gen Stadtmauer rollen. Bronn eilt zu Jaime und beide bewegen sich zügigen Schrittes auf die Stadtmauer zu. Auf dem Weg dorthin bemerkt Jaime, wie Qyburn weitere Lannister-Soldaten anweist, Fässer unbekannten Inhalts neben den Katapulten zu positionieren. Kurz danach erklimmen Bronn und Jaime vorsichtig die Mauer und wagen einen Blick auf ihren Feind. Als Jaimes gramvolle Blicke über Daenerys' Heer gleiten, bemerkt er plötzlich, wie eine kleine Gestalt auf die Stadtmauern zuschreitet. "Tyrion", flüstert Jaime leise, als er seinen Bruder erkennt. Er folgt ihm mit seinen Augen und in seinem Gesichtsausdruck zeichnet sich eine Kombination aus Überraschung, Entsetzen, Fassungslosigkeit und Freude ab. Er muss kurz innehalten, um die Welle seiner widersprüchlichen Gefühle wieder unter Kontrolle zu bringen. Anschließend wendet er sich an Bronn. "Mein Bruder ist auf dem Weg zum Tor. Er kann nur eine Unterredung mit mir im Sinn haben, da er weiß, dass meine Schwester niemals zu einem Gespräch mit ihm bereit wäre." Abwartend sieht Jaime Bronn an, der schließlich meint: "Dann geht zu dem kleinen Scheißer. Ich werde hier schon die Stellung halten." Jaime vergewissert sich noch einmal über die Distanz zwischen Daenerys' Armee und der Stadtmauer, bevor er sich umdreht und seinen Platz auf der Mauer verlässt.

Als Jaime das Stadttor erreicht, weist er einen Soldaten an, die Schlupfpforte zu öffnen, was Selbiger sogleich vollzieht. Als Jaime schließlich durch die Pforte ins Freie tritt, steht Tyrion bereits direkt vor ihm und beide schauen sich in die Augen. Um die Feuchtigkeit in seinen Augen zu verbergen, blickt Jaime kurz zur Seite. Auch in Tyrions Augen hat sich Tränenflüssigkeit gebildet und er geht langsam noch ein paar Schritte auf Jaime zu und meint in bedrückter Tonlage: "Königin Daenerys verlangt, dass Cersei die Tore der Stadt öffnet. Ansonsten wird sie die Stadt attackieren. Ich habe versucht, ihr ins Gewissen zu reden, doch sie ließ sich nicht umstimmen." Schweigend lauscht Jaime Tyrions Worten, bis Tyrion schließlich von Neuem das Wort ergreift und eindringlich meint: "Bitte überzeuge unsere Schwester um unser aller willen davon, sich zu ergeben. Schau Dir Daenerys' Heer an. Sollte sie einen Angriff starten, wird es etliche Tote und Versehrte geben!"

Nach  Worten ringend überlegt Jaime noch immer, wie er auf diese Konfrontation reagieren soll, als plötzlich Cerseis Stimme hinter ihm ertönt: "Welch eine Überraschung", spricht sie Tyrion an. "Bist Du zurückgekehrt, um die Strafe für die Ermordung unseres Vaters in Empfang zu nehmen?" Überrascht sieht Tyrion seine Schwester an. "Cersei", beginnt er zögernd zu sprechen, "das ist kein Scherz. Ich bitte Dich. Leg die Waffen nieder und öffne die Tore, sonst... " "Ich hege keinerlei Interesse an einer Konversation mit Dir. Das Einzige, das mich im Zusammenhang mit Deiner Person interessiert, ist Dein vernarbter Kopf auf einem Spieß hoch oben auf der Stadtmauer. Vermutlich wäre das sogar eine Ehre für Dich, denn so hoch hattest Du Dein Haupt gewiss noch nie getragen..." Cersei hält eine kurze Weile inne, schaut Tyrion mit ernstem Blick an und neigt sich ihm zu. "Wenn Deine Königin mir etwas mitzuteilen hat, dann soll sie die Würde besitzen, es mir persönlich zu erzählen. Andernfalls ist diese Zusammenkunft hiermit beendet..." Tyrion wird sich der Aussichtslosigkeit der Situation bewusst und läuft schnell an den Dothraki und den Unbefleckten vorbei zu Daenerys zurück.

"Meine Schwester möchte persönlich mit Euch sprechen, Euer Hoheit. Anscheinend ist sie dann zu einem Friedensschluss bereit", ruft er etwas außer Atem, als er Daenerys erreicht. Daenerys schaut ihn kühl an und denkt kurz nach, ehe sie sagt: "Nun gut. Doch Ihr werdet mich begleiten!" Daenerys nickt einigen Unbefleckten zu, die sogleich eine Eskorte bilden und Tyrion und Daenerys zum Stadttor geleiten, was mit erhöhter Aufmerksamkeit von Olenna und Varys beobachtet wird.

Als Daenerys und Tyrion schließlich vor Cersei und Jaime stehen, fragt Daenerys in monotonem Tonfall und mit gleichbleibendem Gesichtsausdruck: "Lord Tyrion hat Euch die Bedingungen überbracht?" "In Kürze", antwortet Cersei mit einem falschen Lächeln auf den Lippen, "doch Ihr kennt meine Bedingungen noch nicht..." Cerseis Miene verfinstert sich, bevor sie fortfährt: "Meine Spione in Dorne haben mich regelmäßig über Euch und Eure Handlungen informiert. So erfuhr ich, dass Ihr eine Königin des Volkes sein wollt, jemand, die keinen Friedhof hinterlassen und nicht alles in Schutt und Asche legen möchte, wie es noch das Ziel Eures Vaters war." Cersei setzt ein diabolisches Lächeln auf, während Tyrion sie besorgt mustert. "Hier meine Bedingungen: Entweder Ihr zieht Eure Armee umgehend ab oder Ihr werdet zu dem werden, was Euch eigentlich zuwider ist: die Königin der Asche." Daenerys und Tyrion werfen sich irritierte Blicke zu. "Inzwischen besitze ich mehr Seefeuervorräte als dereinst Euer Vater, sodass ich in der Lage bin, Königsmund mitsamt der Million Einwohner zu vernichten. Ich habe nichts zu verlieren. Solltet Ihr im Kampfe obsiegen, bin ich ohnehin dem Tode geweiht. Ich gebe Euch einen Tag Zeit, Euch mit Eurem Heer zu entfernen. Sollte ich den Gestank Eurer Wilden nach Ablauf des Tages noch immer wahrnehmen, werde ich die gesamten Seefeuerbestände entzünden!"

Plötzlich erklingt das Spannen eines Bogens. Alle richten ihre Blicke auf Qhono, der sich als Daenerys' Blutreiter ein wenig mit der Gemeinen Zunge vertraut machte und nun mit seinem Pfeil direkt auf Cersei zielt, woraufhin Cersei nur zu lächeln beginnt und meint: "Glaubt Euer Wilder ernsthaft, ich müsste persönlich das Seefeuer in Brand setzen? Eure Dothraki scheinen tatsächlich nicht sonderlich intelligent zu sein..." Mit diesen Worten wendet sich Cersei ab und schickt sich an, den Ort zu verlassen. Dann dreht sie sich noch einmal halb zu Daenerys um und sagt: "Ich möchte Euch vorschlagen, nach Essos zurückzukehren und Euch mit Eurem dortigen Königreich zufriedenzugeben."

Daenerys schaut ihr voller Zorn hinterher, was Tyrion nicht entgeht. Beängstigt möchte er einlenken: "Cersei, warte!" Er nähert sich ihr und schaut ihr direkt in die Augen: "Das würdest Du nicht tun!" Cersei erwidert seinen Blick und entgegnet: "Würde ich nicht? Was denkst Du, was mit der großen Septe von Baelor geschehen ist?" Sie funkelt Tyrion noch einmal erbost an, während Jaime hellhörig wird und Cersei entsetzt ansieht. Dann zieht sie sich zurück, wobei Jaime ihr folgt. Hinter ihnen wird krachend die Schlupfpforte geschlossen.

Kurz darauf spricht Jaime zu Cersei: "Cersei, Du hast mir gesagt, dass Du nichts mit der Explosion der Septe zu tun hattest... ", woraufhin sie ihm einen desinteressierten Blick zuwirft. "Das habe ich auch nicht! Doch wenn sie es denken, fürchten sie uns noch mehr!", erwidert sie, wonach sie Jaime stehen lässt, um zum Roten Bergfried zurückzukehren.

Indes steht Daenerys noch immer wie angewurzelt vor den Stadttoren und ballt ihre Hände voller Wut zu Fäusten, wobei sie zugleich die Zähne aufeinanderreibt...


Die Reisen des Werdens

Mit letzter Kraft erreichen die beiden Wildlinge gemeinsam mit Bran das große Tor der Mauer, das in den Tunnel der Schwarzen Festung führt. Nachdem das Tor mit einem dröhnenden Geräusch geöffnet worden ist, tritt Ed Tollett mit zwei bewaffneten Brüdern der Nachtwache ins Freie und beginnt, Bran intensiv zu mustern.

"Wer ist das? Und wo sind die anderen?", fragt er einen der Wildlinge mit einer gewissen Hektik in der Stimme. "Anscheinend ist es Bran Stark", antwortet der Angesprochene atemlos, "der Bruder von Jon Schnee!" Überrascht richtet Ed seinen Blick erneut auf Bran. "Auf unserer Mission wurden wir in einen Kampf mit Untoten verwickelt. Unsere Begleiter wollten uns den Rücken freihalten und stellten sich deshalb den Wiedergängern!", ergänzt der Wildling, woraufhin Ed die Ankömmlinge mit besorgtem Gesichtsausdruck die Mauer passieren lässt. "Wir müssen die anderen suchen", befindet Ed, bevor er in der Ferne auf eine sich nähernde Gestalt aufmerksam wird. Er kneift seine Augen zusammen, um die Sicht zu schärfen, doch der tosende Schneesturm gewährt ihm nur kurze Ausblicke.

Mit einem Gefühl des Unbehagens zieht Ed sein Schwert und nimmt seine Kampfstellung ein, bis er auf einmal Tormund erkennt, der sich mit hoher Anstrengung durch das Schneegestöber kämpft. Erleichtert führt Ed sein Schwert zurück in die Scheide und geht Tormund entgegen. Als Tormund aufgrund seiner Erschöpfung nach vorne zu fallen droht, fängt Ed ihn auf und geleitet ihn ins Innere des Tunnels, wo Tormund ihn seiner Kraftlosigkeit zum Trotze über den Vorfall jenseits der Mauer informiert.

Im Speisesaal der Schwarzen Festung hat der in dicke Felle gehüllte Bran inzwischen vor dem Kamin Platz genommen, um seinen unterkühlten Leib an den lodernden Flammen des Feuers zu wärmen. Ein Bruder der Nachtwache stellt ihm eine Schüssel mit einem undefinierbaren Brei auf den Tisch und reicht ihm einen Löffel. Als Bran mit noch immer zitternden Händen zu speisen anfängt, wird er sich bewusst, wie lange seine letzte Mahlzeit zurückliegt. Unterdessen betreten Tormund und Ed den Raum, woraufhin Bran das Essen trotz seines großen Hungers unterbricht und die beiden erwartungsvoll ansieht.

"Wo ist Meera?", fragt er Tormund sogleich. Tormund, den die Frage sichtlich unvorbereitet trifft, entgegnet bedrückt: "Sie hat es leider nicht geschafft." Einen Moment lang fokussiert Bran schweigend das knisternde Kaminfeuer, ehe er sich wieder seiner Mahlzeit widmet. "Ich muss zurück nach Winterfell", äußert er nach kurzer Überlegung. "Ich habe meinem Bruder etwas sehr Wichtiges mitzuteilen!" "Ruht Euch lieber noch eine Weile aus", meint Ed Tollett besorgt, "meine Männer können Euch einen angemessenen Schlafplatz zur Verfügung stellen." Bran schaut Ed mit ausdrucksloser Miene an. "Das ist sehr freundlich von Euch", erwidert er anschließend, "doch ich muss schon heute aufbrechen, um meinen Bruder so schnell wie möglich von den Neuigkeiten in Kenntnis zu setzen! Könntet Ihr das ermöglichen?" Ed und Tormund tauschen fragende Blicke aus. "Meine Männer haben keine Eurer Eide geschworen", stellt Tormund fest, "sie können also die Mauer verlassen, wann immer sie wollen. Vier von meinen Männern können Euch nach Winterfell bringen!" Dankend nickt Bran dem Tormund zu.

Nachdem sich Bran noch eine Weile im großen Speisesaal erholt hat, versammeln sich die vier Wildlinge im Hof der Schwarzen Festung und richten den Karren her, auf dem Bran transportiert werden soll. Als auch Bran sich schließlich im Hofe einfindet, wird er von einem Wildling auf den Karren gesetzt. "Wenn Ihr schon mal in Winterfell seid, könnt Ihr uns etwas Gutes zum Essen mitbringen, wenn Ihr zurückkehrt!", ruft Tormund seinen startbereiten Männern zu. Zum Abschied reichen sich Tormund und Bran noch einmal die Hand und auch Ed Tollett verabschiedet sich mit einem Händeschütteln von Bran. Kurz danach setzt sich der Karren in Bewegung und verlässt die Schwarze Festung.


"Du hast versprochen, dass wir nie mehr auseinandergehen. Wo Du hingehst, da gehe auch ich hin, weißt Du noch?", fragt Goldy mit einem Hauch von Enttäuschung im Tonfall, während sie den kleinen Sam liebevoll in ihren Armen wiegt. "Goldy...", antwortet Sam sanft, während er lächelnd auf sie zugeht und seine Hände an ihre Arme legt. "Diese Unterkunft ist nur euer vorübergehendes Zuhause. Hier seid ihr beide sicher und die Zitadelle ist gleich in der Nähe, sodass wir uns regelmäßig sehen können! " Eine kurze Phase der Stille breitet sich in dem schlicht eingerichteten Zimmer aus, dessen hölzerner Fußboden gelegentlich einen knackenden Laut hervorbringt. Auch die Wände bestehen aus Holz und außer einem Bett, einem Tisch, zwei Stühlen und einem kleinen Kamin befindet sich nichts im Raume.

Goldy sieht Sam direkt ins Gesicht, ehe er nach kurzem Nachdenken von Neuem das Wort ergreift: "Und Altsass ist eine wunderschöne und vielseitige Stadt, hier kann man sicher viel entdecken und..." "... schon gut, Sam!", entgegnet Goldy, die nun mit verständnisvoller Stimme spricht, während sie sich dem schlafenden Kind in ihrem Arm zuwendet, "wir werden hier bleiben und auf Dich warten." Goldy bewegt sich auf einen der Stühle zu und nimmt Platz. "Danke, Goldy", gibt Sam zur Antwort und folgt ihr. "Sobald ich meine Ausbildung beendet habe, werden wir ganz beieinander sein. Das verspreche ich Dir!", äußert Sam, wobei er dem kleinen Sam fürsorglich über die Wange streichelt. "Dazu musst Du Deine Ausbildung aber erst einmal beginnen...", wirft Goldy ein. "Ich wurde bereits bei Erzmaester Marwyn angemeldet und ich treffe ihn schon morgen Nacht in seinem Labor", erklärt Sam. "Morgen Nacht? ... Wieso nachts?", fragt Goldy, wobei sie etwas irritiert zu Sam emporblickt. "Ich... weiß auch nicht", antwortet dieser schulterzuckend, "der Erzmaester hat diesen Termin bestimmt." Sam setzt sich neben Goldy auf einen Stuhl und krault ihren Arm. "Aber es ist erst morgen Nacht... den heutigen Abend haben wir ganz für uns", meint er und schaut Goldy ins Gesicht, woraufhin sie seinen Blick mit dem Anflug eines Lächelns erwidert.



Anbruch neuer Entwicklungen

Nachdem Cersei sich wieder im Roten Bergfried eingefunden hat, betritt sie ihre privaten Gemächer, um sogleich an ihrem aus massivem Eichenholz bestehenden Tisch Platz zu nehmen. Gedankenverloren schaut sie auf den mit dornischem Wein gefüllten Krug, doch angesichts der beklemmenden Lage verspürt sie keinerlei Bedürfnis, sich dieses Weines zu bedienen. Stattdessen fällt ihr Blick auf den prächtigen Löwen des Lannister-Wappens, welches in Form eines großflächigen Teppichs die Wand ihres Gemaches ziert.

Plötzlich wird sie lärmender Geräusche gewahr, die von außerhalb ins Innere ihres Raumes dringen und sie jählings ihren Gedanken entreißen. Nach intensiverem Lauschen erkennt Cersei die Stimmen aufgeregter Menschen, die sie dazu verleiten, zum Fenster zu gehen und hinauszusehen. Sie erblickt eine große Masse von Menschen, die vor dem Roten Bergfried zusammenströmt. Mit einem gewissen Gefühl der Irritation verlässt Cersei ihr Gemach und schreitet zu einem der gebogenen Fenster auf dem Gang, das eine noch nähere Beobachtung der Menschenmenge ermöglicht.

"Darf ich Euch etwas bringen, Euer Gnaden?", erklingt auf einmal die leise Stimme ihrer persönlichen Kammerzofe Bernadette.

"Was geht dort draußen vor sich?", fragt Cersei zurück, ohne ihren Blick von der Menschenansammlung zu lösen.

"Oh, Ihr habt es noch nicht vernommen... Unsere Feinde befinden sich mit ihrer gigantischen Armee auf dem Rückzug. Sie ziehen ihre Armeen ab", erklärt Bernadette in einem Heiterkeit zum Ausdruck bringenden Tonfall, woraufhin Cersei sie direkt anschaut, ohne ein Wort zu sprechen.

"... Das Volk huldigt Euch, Euer Gnaden, denn die Menschen aus Königsmund wissen, wem sie ihre Rettung zu verdanken haben. Es hat sich bereits überall herumgesprochen", ergänzt Bernadette vorsichtig, wobei sie dankbar ihr Haupt senkt.

Cersei mustert ihre Zofe, richtet ihren Blick im Anschluss jedoch wieder auf die versammelten Menschen vor dem Bergfried. "Danke, Bernadette", sagt Cersei schließlich nachdenklich, "das wäre vorerst alles." Die Zofe macht einen tiefen Knicks und geht sodann ihres Weges.

"Das Volk huldigt mir also", flüstert Cersei vor sich hin, während sie unweigerlich an die Situation denken muss, in der ihr verstorbener Sohn Joffrey gemeinsam mit Margaery Tyrell ins Freie trat, um den Jubel und den Applaus des Volkes in aller Fülle in Empfang zu nehmen. Nach kurzer Überlegung schreitet Cersei entschlossen zu einem der Fenster des Roten Bergfrieds, dessen Balkon in guter Sichtweite der Menschenmasse liegt. "Eine Million Menschen bewohnen diese Stadt", grübelt Cersei, "und immer schon war mir jeder Einzelne von ihnen völlig gleichgültig. Die Gunst des Volkes zu erwerben oder zu stabilisieren, scheint in diesen Zeiten allerdings von Vorteil für mich zu sein."

Mit dieser Feststellung tritt Cersei schließlich vor den Menschen ihres Volkes in Erscheinung. Die Ova­ti­on des Volkes gewinnt an Lautstärke, als die Menschen ihre Königin auf dem Balkon entdecken. Cersei betrachtet den enormen Beifall und ringt sich langsam dazu durch, ihre Hand zu heben und die jubelnden Zurufe mit einem Winken zu erwidern.

"Euer Gnaden?", ertönt plötzlich die Stimme Qyburns hinter ihr, woraufhin Cersei sich zur Seite dreht. "Kommt her und schaut Euch das Spektakel an", spricht sie zu Qyburn, ohne ihn direkt anzuschauen. Qyburn tritt an ihre Seite und teilt ihren Blick aufs gemeine Volk. "Habt Ihr je eine größere Demonstration personifizierter Naivität gesehen?", fragt Cersei schließlich ihre Hand.

"Glauben sie denn ernsthaft, der Abzug der Targaryen-Hure und ihrer Armee sei von Dauer? Auch wenn's mich einige Mühe kostet, so komme ich nicht umhin, zuzugeben, dass mir die feste Entschlossenheit nicht entgangen ist, die mir die Augen der sogenannten. Drachenkönigin entgegen sprühten." Qyburn und Cersei tauschen gegenseitig vertraute Blicke aus. "Ich möchte Euch am heutigen Abend in meinem Gemach sprechen", fordert Cersei schließlich, woraufhin Qyburn sich die Anweisung bestätigend verneigt.


Ein heftiger Schneesturm fegt heulend über die Landschaft um Winterfell, als Bran im Beisammensein seiner Eskorte das Haupttor der Burg erreicht. Mit letzter Kraft geht einer der Wildlinge auf die am Eingang positionierten Wachen zu, um die Ankunft Bran Starks anzukündigen. Ungläubig begutachten die Wachen den von der Lähmung gezeichneten Jungen, den die restlichen Wildlinge inzwischen auf eine Bahre gehoben haben und nun zum Tor ziehen. "Und wir gehören zum Freien Volk, das die Mauer besetzen sollte. Doch Lord Kommandant Tollett und Tormund haben uns aufgetragen, Bran Stark sicher hierher zu bringen! Wir bitten daher um Einlass", beendet der Wildling seine Ausführung. Ratlos schauen sich die Wächter an. "Darüber muss die Lady von Winterfell entscheiden!", meint schließlich einer der Torwächter, "ich werde sie über eure Ankunft informieren", sagt er noch und verlässt seinen Posten, um Lady Stark in ihren Gemächern aufzusuchen.

Lady Sansa nimmt gerade ihr Abendessen, bestehend aus frisch gebratenem Fisch, zu sich, als es behutsam an ihre Tür klopft. Eine Zofe schenkt ihrer Lady gerade etwas Wein ein, als Sansa ihr bedeutet, die Tür zu öffnen. Nachdem die Dienerin der Instruktion Folge geleistet hat, betritt der Torwächter, der umgehend seinen Helm vom Kopf nimmt, das Zimmer. "Bitte verzeiht die Störung, MyLady, doch vor den Burgmauern stehen vier Wildlinge, die behaupten, in Begleitung von Bran Stark zu sein! Wir wollten Euch darüber in Kenntnis setzen, bevor wir sie einlassen", erteilt er Auskunft. Überrascht starrt Sansa den Wächter an, ehe sie sich erhebt. "Ich werde ihn mir ansehen. Geleite mich dort hin", weist sie den Torwächter an, während die Zofe ihrer Lady einen mit Pelz ausgekleideten Mantel umlegt.

Lady Sansa betritt den verschneiten Hof und sofort wirbelt der starke Wind ihr Haar umher. Mit leichter Anstrengung folgt sie dem Torwächter und als sie durch das Burgtor tritt, fällt ihr Blick direkt auf Bran, der sie ebenfalls sogleich anschaut. Fassungslos weiten sich Sansas Augen und ihr Mund öffnet sich leicht, als sie erkennt, dass es sich bei der ominösen Person tatsächlich um Bran handelt. Auch Bran wird vom Ansturm seiner Gefühle überwältigt, als Sansa schließlich langsam auf ihn zukommt. "Bran...", haucht sie mit brüchiger Stimme und Tränen in den Augen, als sie vor ihm steht. "Sansa", antwortet Bran, der ihren Blick erwidert, ehe sie sich innig umarmend festhalten. Eine ganze Weile streicheln sie sich über den Rücken und klammern sich fest aneinander, bis Sansa ihren Bruder samt seinen Begleitern schließlich herein bittet.

In der großen Halle von Winterfell wird Bran in die unmittelbare Nähe des Kamins gesetzt und ein großes Feuer wird entfacht, an dem sich die Ankömmlinge ihre von der beschwerlichen Reise ausgezehrten und unterkühlten Leiber wärmen können. Auch Getränke und Speisen werden ihnen geboten.

Nachdem alle ihre Mahlzeiten beendet haben, ergreift Sansa das Wort: "Ich spräche nun gerne mit meinem Bruder allein." Alle Anwesenden verlassen daraufhin die Halle. Lächelnd geht Sansa auf Bran zu und setzt sich direkt neben ihm auf einen Stuhl. "Es ist so schön, dass Du wieder hier bist. Wir wähnten Dich schon seit Langem tot. Doch nun bist Du wieder da", spricht sie, wobei sie sanft Brans noch immer kühle Hand liebkost. "Ich bin auch froh, endlich hier zu sein", erwidert Bran, der sie mit gleichbleibender Miene anschaut. "Denn ich muss unbedingt mit Jon sprechen", fügt er hinzu. Sansa runzelt kurz die Stirn: "Ich habe bereits veranlasst, dass er über Deine Ankunft informiert wird. Doch was hast Du ihm denn so Wichtiges mitzuteilen? Willst Du mir nicht erst einmal erzählen, wohin es Dich verschlug und was Du erlebtest?", fragt sie, wobei sie den Klang ihrer Neugierde kaum zu verbergen vermag.

"Ich muss ihm davon berichten, was ich jenseits der Mauer sah. Außerdem gibt es da noch etwas, worüber ich nur mit ihm persönlich sprechen kann", gibt Bran zur Antwort. "Du warst jenseits der Mauer? Und was ist Dir dort widerfahren?", hakt Sansa nach. "Dort wurde ich zum dreiäugigen Raben, was von Anfang an meine Bestimmung gewesen ist. Die Träume, die mich auf meinem gesamten Weg begleiteten, wiesen mich schon immer darauf hin. Doch es dauerte eine ganze Weile, bis ich mir deren Bedeutung bewusst wurde", legt Bran dar. Mit einem Hauch von Skepsis in ihrem Antlitz mustert Sansa ihren Bruder: "Dreiäugiger Rabe? Was meinst Du damit?", fragt sie schließlich nach.

"Ich habe die Fähigkeit des Grünsehens, was bedeutet, ich kann Ereignisse der Vergangenheit, der Gegenwart und der Zukunft sehen. Noch ist alles recht fragmentär, doch wenn ich weiter trainiere, werde ich meine Visionen irgendwann kontrollieren können!", führt Bran aus. Schweigend nimmt Sansa die Aussagen ihres Bruders zur Kenntnis, woraufhin sie sich bedächtig erhebt und ihre Hand fühlend auf seine Stirn legt. "Was ist, Sansa?", fragt Bran seine Schwester, wobei er zu ihr hinauf sieht.

Sich nichts anmerken lassen wollend entgegnet Sansa nach kurzem Nachdenken: "Ich glaube, Du kennst unseren neuen Maester namens Wolkan noch nicht. Wärest Du bereit, Deine Ausführungen noch einmal in seiner Gegenwart zu wiederholen?" "Du glaubst mir nicht. Du denkst, ich fantasiere", konstatiert Bran sodann. "Nein, das ist es nicht", versucht Sansa zu beschwichtigen, "doch in Anbetracht der Relevanz Deiner Erlebnisse halte ich es für sinnvoll, wenn..." "Es ist schon gut, Sansa", fällt Bran ihr ins Wort, "die Zeit wird kommen, da auch Du die Wahrheit erfahren wirst - unweigerlich." Bran beobachtet nun die Flammen des Kaminfeuers, die sich wie Wellen auf und ab bewegen.


Die abendliche Atmosphäre hüllt Königsmund in ihre Stille, als Cersei im Schein zahlreicher Kerzen an ihrem Tisch sitzend über die nahe Zukunft nachdenkt. Da ertönt ein kaum zu vernehmendes Pochen an ihrer Tür, woraufhin Cersei mit erwartungsvollem Gesichtsausdruck aufmerkt.

"Kommt herein", ruft sie, wonach sich die Tür öffnet und Qyburn eintritt. "Euer Gnaden, Ihr wünschtet, mich zu sprechen", äußert Qyburn mit einer Verbeugung. "Kommt näher, setzt Euch", erwidert Cersei und bietet ihm mit einer entsprechenden Geste den Stuhl auf der gegenüberliegenden Seite ihres Tisches an.

"Vielen Dank, Euer Gnaden", sagt Qyburn, während er Platz nimmt. Er sieht Cersei an und fragt: "Wie kann ich dienen?" Nach einem kurzen Schweigen meint Cersei in festem Ton: "Gewisslich seid Ihr Euch dessen bewusst, dass wir Allianzen brauchen, um diesen Krieg zu gewinnen, zuverlässige Allianzen." "Das ist unbestritten, Euer Gnaden", antwortet Qyburn zustimmend. "Doch wo werden wir loyaler Verbündeter fündig?", fragt Cersei.

"Wir sollten uns nach Verbündeten umschauen, die nicht in den Krieg um den Eisernen Thron involviert sind und die auch in Zukunft wahrscheinlich keinerlei Interesse an diesem Thron hegen werden. Ich würde daher dazu raten, Söldner anzuwerben, die ausschließlich fürs Geld, aber nicht für königliche Macht streiten." Nachdenkend schaut Cersei zur Seite, wobei ihre Augen die Schattenspiele an der Wand verfolgen.

"Ja, holt Erkundigungen bezüglich der diversen Söldner-Armeen und ihres Rufes ein...", befiehlt Cersei. "Sehr wohl, Euer Hoheit", erwidert Qyburn, der Cersei bei ihren Überlegungen beobachtet. "Kann ich sonst noch etwas für Euch tun?", fragt er dann. "Die treueste Person, die ich kenne, ist Ser Gregor...", erwähnt Cersei gedankenversunken.

Mit erhöhter Aufmerksamkeit vernimmt Qyburn ihren Satz. "Was Ihr damals mit Ser Gregor gemacht habt... glaubt Ihr, das ist wiederholbar?", fragt sie daraufhin verschwörerisch, wobei sie Qyburn wieder anschaut. Qyburn hält kurz inne, ehe er meint: "Nun, diese Prozedur erfordert ein hohes Maß an Präzision und eingehenden Kenntnissen. Damit ich verlässliche Resultate garantieren kann, bräuchte ich noch weitere Erfahrungswerte. So könnte ich meine Arbeit vielleicht sogar noch optimieren."

"Was braucht Ihr?", fragt Cersei knapp. "Meine Experimente mit Lebenden und Sterbenden haben mir damals einen Zugang zu einem wahren Schatz an Wissen über die menschliche Anatomie gewährt. Aus bekannten Gründen konnte ich jenen Pfad jedoch nicht weiter beschreiten..." erklärt Qyburn. "Ich denke, niemand wird nach ein paar Straßenbewohnern fragen, die dem Reiche der Toten ohnehin schon näher sind als der Welt der Lebenden...", sagt Cersei, ohne eine emotionale Reaktion zu zeigen. Nickend vermittelt Qyburn Cersei, dass er verstanden hat. "Berichtet mir von Euren Fortschritten!", fordert Cersei noch, bevor sie Qyburn verabschiedet.